Pflegenotstand 2018/19

Dieses Thema im Forum "Wissensdatenbank (Knowledge Base)" wurde erstellt von Resi Ratlos, 4. November 2018.

  1. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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  2. josie16

    josie16 PsA

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    Liebe Resi!
    Es ist leider erschütternd und alles was da jetzt "aus dem Hut gezaubert wird, reine Augenwischerei". Es ist ja das Problem, daß einfach kein qualifiziertes Personal zu bekommen ist und da helfen auch irgendwelche absurden Verordnungen nicht.

    Als ich noch gearbeitet habe, das war bis 2002, war schon ersichtlich, daß es zu großen Problemen kommen wird, mit dem Pflegepersonal und m.M. nach spielt ein sehr große Rolle, daß Krankenhäuser jetzt Wirtschaftsunternehmen sind, die am besten "schwarze Zahlen" schreiben sollen.

    Wo kann man am besten sparen, natürlich am Personal, aber so wie heute gearbeitet werden muß, will und kann nicht jeder arbeiten, das hat nichts mehr mit dem zu tun, was wir mal gelernt haben, da stand der Patient noch im Vordergrund.

    Heute findet zum Großteil nicht mal mehr eine Ganzwaschung statt, ganz zu schweigen von Prophylaxen wie z.b eine Dekubitusprophylaxe, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß immer mehr Patienten mit einem entlassen werden.

    Ich höre jetzt besser auf, sonst ufert es aus, aber unser Gesundheitsminister hat noch lange nicht erkannt, warum soviele Pflegekräfte nicht mehr in diesem Beruf arbeiten können/wollen, deshalb ist das alles das Papier nicht wert, worauf es geschrieben wird.
     
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  3. Katjes

    Katjes Registrierter Benutzer

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    unser gesundheitsminister hätte sich die zeit nehmen sollen um mit betroffenen zu sprechen und nicht nur mit der verwaltungsebene (wenn überhaupt)..............dann würde etwas anderes auf dem papier stehen.
     
  4. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    Liebe josie, liebe Katjes,

    ich bin da ganz bei euch.
    Da ich das Geschäft seit genau 40 Jahren von der Pike auf kenne, weiß ich sehr genau, wo es hakt.
    Es ist tatsächlich so, dass Krankenhäuser - da muss ich Dir punktuell widersprechen, josie - sich schon schwer damit tun, schwarze Zahlen zu schreiben. Das hat nicht nur mit der Gewinnorientierung zu tun - die verschärft das Problem eher massiv - sondern mit der Organisation unseres Gesundheitswesens; die Thematik ist ziemlich komplex und verfahren.
    Wahr - wenngleich nicht richtig - ist, dass die "Gesund"erhaltung der Krankenhäuser meist alleine auf dem Rücken der Beschäftigten und nachfolgend auch der Patienten ausgetragen wird; tragisch ist, dass die betroffenen Beschäftigten meist die sind, die die Erlöse erwirtschaften müssen, aber unglücklicherweise nicht verwalten dürfen....

    Und ja, Katjes, entschieden werden solche Dinge meist von Schreibtischtätern wie nicht zuletzt Herrn Spahn; seine aktionistischen, populistischen Vorschläge verärgern die Basis sehr und sind reine Augenwischerei.
    Was nutzen 8.000 zusätzlich geschaffene Stellen in der Pflege, wenn schon jetzt 30.000 deutschlandweit nicht besetzt werden können??? Macht für mich nach Adam Riese und Eva Zwerg 38.000 unbesetzte.....
    Es werden Gelder bereitgestellt, die wohin auch immer, aber nicht in die bessere Versorgung fließen.....
    Die Ausbildung von Pflegepersonal ist ebenfalls ein kritischer Punkt; ein nicht unerheblicher Anteil am Nachwuchs ist von Anfang an mäßig und rasch immer weniger motiviert. In einer Klinik, die ich sehr gut kenne, wurden Auszubildende mit einem i-pad geködert; ich lache mich darüber schlapp - wer kann denn verhindern, dass die nur wegen des Dings "mit"machen?
    Wir haben erlebt, dass Azubis in der Pflege (nicht lange her...) am Wochenende nicht eingeplant werden konnten. Warum? Weil sie einfach regelmäßig ausfielen und dann Engpässe entstanden. Wer so schon in den Beruf einsteigt, lässt wenig Gutes hoffen.

    Naja, ich will nicht weiter unken; ich habe den Klinikbetrieb nach 40 Jahren verlassen, weil ich meine Werte nicht verkaufen will zugunsten ökonomischer Zwänge. Die Alternativen haben andere Nachteile....
     
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  5. allina

    allina Bekanntes Mitglied

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    Na ja, ich glaube schon, dass der Spahn weiß welche die realen Gründe für den Pflegenotstand sind. Nur erhofft er sich wahrscheinlich durch diesen Aktionismus, dass er in der Bevölkerung als Macher und Kümmerer empfunden wird.

    Aber ja ich finde auch, dass es Augenwischerei ist. Man müßte das Gesundheitswesen ganz grundsätzlich reformieren. Das möchte aber der Spahn bestimmt nicht.

    Liebe Grüße

    allina
     
  6. josie16

    josie16 PsA

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    Hallo Resi!
    Das ist mir durchaus klar, daß sich die Kliniken damit schwer tun
    Genau da ist das Problem, mir tun einfach die Patienten leid, weil sie sind diejenigen, die es am meisten trifft. Durch meine persönlichen Einschränkungen ist mir klar, daß das auch mich treffen wird, vielleicht nicht heute und morgen und das macht mir wirklich Angst.
    Das ist leider ein sehr wunder Punkt, die Ausbildungsreform ist auch völlig wertlos gewesen, Ziel war ja, den Beruf aufzuwerten. Entstanden ist daraus, daß viele Auszubildende direkt nach Ende der Ausbildung, ein Studium dranhängen, soviel Krankenhausbetriebswirte und was es sonst noch alles gibt, können in Deutschland garnicht untergebracht werden, aber in der Pflege stehen sie natürlich nicht zur Verfügung.

    Eine weitere Gruppe macht die Ausbildung nur, um die Zeit zu überbrücken, um einen Studienplatz für Medizin zu ergattern, auch diese Gruppe steht dann der Pflege nicht zur Verfügung. Mir ist durchaus klar, daß wir auch Mediziner brauchen, nur löst das das Problem in der Pflege nicht.

    Es wird noch ein langer Weg, und es ist noch lange "kein Licht am Ende des Tunnels" zu sehen, eher das Gegenteil
     
  7. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    Da wo die Schnepfen hausen......
    Zu 1: das ist nach meiner Erfahrung eher die Ausnahme und hat es schon immer gegeben - in sich ja auch eine schlüssige Abfolge....denn wer zuerst in der Pflege tätig war, wird ganz anders an die Thematik herangehen ;)

    Zu 2: Wohl wahr, leider! :(
     
  8. josie16

    josie16 PsA

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    Meinst Du hier das Studium in der Pflegewissenschaft oder Krankenhausbetriebswirtschaft? Diese Studienzweige gibt es ja noch nicht so lange.

    Ich kann nur aus der Praxis berichten, daß es wirklich sehr viele sind, teilweise der halbe Kurs. Ich kann das jetzt nicht mir Zahlen belegen, sondern nur das sagen, was mir aus meiner Umgebung von Kollegen berichtet wird
     
  9. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    Josie, Du bekommst PN ;)
     
  10. Maggy63

    Maggy63 Kreativmonster

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    Ich sehe das nur an der Arbeit meines Mannes (Heilerziehungspfleger). Da gibt es einen ausgeklügelten Personalschlüssel, ich hab grad nicht im Kopf, wie der genau aussieht, und der Berechnung nach ist die Versorgung auch bestens.
    Nur, und das ist ein Punkt, der geändert gehört, werden sämtliche Angestellte mit einberechnet, also auch die Mitarbeiter der Verwaltung**. Defacto heißt das, dass die Personaldecke an der Basis viel zu dünn ist. Fällt ein Mitarbeiter aus gehts noch, bei zweien bricht schon fast der Notstand aus.
    Mein Schwiegersohn, auch HEP, schiebt 3-4 Wochenenden hintereinander Dienst im Wohnheim, weil Kollegen fehlen. Ich sag jetzt nicht, wieviel Überstunden der Mann mittlerweile hat....
    Mein Sohn ist gerade in der Ausbildung zum HEP, die Klassen sind auch voll, aber wo bleiben die Leute, wenn sie fertig sind?
    Jeder, der etwas länger in den Beruf reingeschnuppert hat, überlegt sich früher oder später, ob er sich das wirklich antun will. Und das liegt jetzt nicht an den Aufgaben, sondern an den Gegebenheiten. Und da gehört einiges geändert.
    Zu Herrn Spahn sage ich lieber nichts, ich finde den Mann einfach nur unsäglich. Keine Ahnung von nichts, aber den Hals aufreißen...

    Nachtrag: ** in einer der letzten Stellenausschreibungen wurde ein Mediendesigner gesucht. Das ist natürlich etwas, was in der Betreuung dringend vermisst und gebraucht wird....
     
    #10 5. November 2018
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2018
  11. Maggy63

    Maggy63 Kreativmonster

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    Als mein Vater auf der ITS lag, wunderte ich mich, dass er permanent auf dem Rücken lag. Die Schwester erklärte mir dann, dass sie spezielle Matratzen verwenden. Mag sein dass die praktisch sind, aber körperliche Zuwendung ist anders.

    Als ich letztens im Krankenhaus lag, war eine Frau mit auf dem Zimmer, der es nach ihrem Infarkt wirklich schlecht ging. Abends fragte sie die Schwester, ob ihr nicht mal jemand beim waschen helfen könnte, da schnappte die Schwester los und meinte nur, gewaschen würde morgens, abends wäre kein Personal dafür da.
    Da ist mir die Kinnlade runtergeklappt.
    Wir anderen beiden Patientinnen haben uns schon mit um die Frau gekümmert, haben ihr Wasser mitgebracht, sie untergehakt, wenn sie zum Klo wollte...

    Es macht wirklich Angst, wenn man die Spirale weiterdenkt. Aber da muss grundsätzlich was geändert werden, neue Stellen alleine verbessern an der Situation gar nichts.
     
  12. josie16

    josie16 PsA

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    Hallo Maggy!
    Das sind Antidekubitusmatratzen, d.h. aber nicht, daß der Patient nicht gewaschen werden muß und man den Betroffenen auch mal auf die Seite drehen muß, umzusehen, wie die Hautverhältnisse sind
     
  13. Maggy63

    Maggy63 Kreativmonster

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    Ja, eben.
    Ich bin ja auch dafür, dass jedem schwer arbeitenden Menschen die Arbeit erleichtert wird, nur hört es eben da auf, wo das 'sowohl als auch' abgelöst wird von 'anstelle von' ...

    Ich bedanke mich immer bei allen, die diesen Job erledigen, ob für mich oder für Angehörige oder für wen auch immer, und es schon fast erschütternd, wenn man ein großes Dankeschön fürs Dankeschön zurück kriegt, weil es wohl so selten vorkommt, dass jemand diese Plackerei würdigt.

    Warum wird ein 'Sesselfurzer' besser bezahlt als jemand, der seine eigene Gesundheit ruiniert und sehr viel Verantwortung trägt? Ist mir völlig unbegreiflich.
     
  14. josie16

    josie16 PsA

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    Weil man davon nicht soviele braucht, es geht wie immer ums Geld
     
  15. Maggy63

    Maggy63 Kreativmonster

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    Aber guck dir doch die Wasserköpfe mal an - die Verwaltungen verwalten sich doch mittlerweile fast nur noch selbst!
    Weniger 'Köpfe', dafür mehr Hände, würde ich jetzt einfach mal so sagen.
     
  16. josie16

    josie16 PsA

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    Hallo Maggy!
    Selbst wenn eingestellt werden sollte, es ist kein oder kaum Pflegepersonal zu finden, der Markt ist leergefegt und diejenigen, die heute die Ausbildung machen, hören danach aus, die Erfahrung hast Du ja selber bei den Heilerziehungspfleger gemacht.
     
  17. allina

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    Dies sind zwei interessante Artikel zu diesem Thema:

    Ex-Chefarzt rechnet ab "Im Krankenhaus ist der Mensch kein Mensch mehr"

    Krankenhäuser als Fabriken, die Mediziner entmündigt - so beschreibt der ehemalige Chefarzt Ulrich Hildebrandt das System privater Klinikkonzerne. Für Patienten bringe das ein hohes Risiko mit sich.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ulrich-hildebrandt-ex-chefarzt-rechnet-mit-dem-kliniksystem-ab-a-1126561.html


    Pflegekräfte am Limit "Erschöpft, überarbeitet und ausgelaugt"

    Die Finanznot deutscher Kliniken bringt Pflegekräfte in Bedrängnis. Gerade nachts arbeiten sie oft allein auf Station. Ein unvertretbares Risiko für Patienten, wie eine Studie zeigt, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pflegekraefte-am-limit-erschoepft-ueberarbeitet-und-ausgelaugt-a-1126210.html
     
  18. Maggy63

    Maggy63 Kreativmonster

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    Leergefegt ist der Markt nicht, aber es gibt keine Anreize, den Beruf auszuüben. Ganz ehrlich, wer will unter solchen Umständen arbeiten? Viele haben ja zu Anfang noch Enthusiasmus, aber der wird in Windeseile platt gemacht.
    Solange die Voraussetzungen so bleiben, wie sie sind, wird sich auch nichts ändern.
     
  19. Tusch

    Tusch Registrierter Benutzer

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