1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

nochmal Neues vom Rheuma-Kongress

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von eli, 12. Juni 2005.

  1. eli

    eli Neues Mitglied

    Registriert seit:
    30. April 2003
    Beiträge:
    600
    Zustimmungen:
    0
    Ort:
    pfalz
    Habe heute Abend vom Sonntagsdienst nochmal eine Pressemeldung vom Wiener Eular-Kongress mitgebracht. Gruß Eli


    Europäischer Rheumatologen Kongress in Wien - Bilanz
    EULAR-Präsident: "EU lässt 100 Millionen Rheuma-Patienten im Stich" - Top-Forschung bringt Verbesserungen für Patienten
    Wien, am 11. Juni 2005 - Hinsichtlich des hohen wissenschaftlichen Niveaus der Tagung der Europäischen Rheuma-Liga EULAR 2005 zeigt sich EULA-Präsident Univ.-Prof. Dr. Josef Smolen äußerst zufrieden. Das wissenschaftliche Großereignis mit mehr als 10.000 Teilnehmern geht am Samstag im Wiener Austria Center zu Ende. Doch die hier präsentierten wissenschaftlichen Spitzenleistungen seien wohl eher trotz und nicht wegen der Politik möglich gewesen, kritisiert Prof. Smolen: "Die EU-Kommission lässt mehr als 100 Millionen europäische Rheuma-Patienten im Stich. Dieses Nicht-Ernstnehmen der legitimen Anliegen derart vieler Bürger ist zumindest irritierend. Und wohl auch ein Ausdruck der unzureichenden Bürgernähe, die den EU-Behörden immer wieder vorgehalten wird."
    Bürgernähe für Rheuma-Betroffene fehlt
    Hintergrund der harschen Kritik des Spitzen-Rheumatologen: Im Gegensatz zu den USA, wo Rheuma-Forschung als Priorität definiert und mit 540 Millionen Dollar auch massiv finanziell unterstützt wird, hat die EU-Kommission keinem ihrer Rahmen- oder Biomed-Programme rheumatische Erkrankungen als einen Forschungsschwerpunkt festegelegt. Auch nicht im Entwurf zum 7. Rahmenprogramm, das gegenwärtig verhandelt wird.
    Und sie zeigt auch wenig Beweglichkeit bei dieser Volkskrankheit, bedauert Prof. Smolen: "Wir bemühen uns seit fast zwei Jahren um einen Termin beim Forschungskommissar der EU - erfolglos Herausgekommen ist dabei bloß ein Treffen bei einem nicht-hochrangigen Beamten." Erfreulich sei es, dass zahlreiche EU-Parlamentarier der relevanten politischen Gruppierungen die EULAR-Anliegen aktiv und offensiv unterstützen und derzeit an einem Deklarationsentwurf arbeiten, der die Aufnahme von Rheuma in die Prioritäten des 7. Forschungsprogramms und in die neue EU-Gesundheitsstrategie sowie einen besseren Zugang von Rheumapatienten zu allen Therapiemöglichkeiten vorsieht.
    Spitzenforschung trotz fehlender Unterstützung
    Umso erfreulicher sei das hohe wissenschaftliche Niveau, das Europas Rheumatologen trotz fehlender politischer Unterstützung und mangelnder Forschungsförderung seitens der EU präsentiert haben. Wichtige Innovationen aus allen Bereichen der Rheumatologie wurden in 83 wissenschaftliche Sitzungen mit 382 Vorträgen, 309 eingeladene Vortragenden, 26 Abstract-Sitzungen mit 179 Vorträgen und 1.553 schriftlichen wissenschaftlichen Präsentationen vorgestellt. Rund 50 wissenschaftliche Beiträge kommen von österreichischen Teilnehmern.
    "Wir haben wichtige neue Erkenntnisse gehört, die echte Fortschritte für die Patienten bringen werden", berichtet Prof. Smolen: "Etwa neue Einsichten zu den Ursachen und Entstehungsmechanismen rheumatischer Erkrankungen, neue diagnostische Methoden und Strategien wie die verbesserte Früherkennung solcher Beschwerden, oder die Perspektiven für neue und bessere Therapieoptionen." Klinische Studiendaten mit neuen Biologika (Rituximab, Abatacept) bei der Rheumatoiden Arthritis, und neue Daten zu TNF-Blockern bei Psoriasisarthritis und Morbus Bechterew, neue Daten zu traditionellen Nicht Steroidalen Antirheumatika (NSAR) und zu Coxiben, neue Daten zu frühdiagnostischen Möglichkeiten und bessere Methoden zur Verfolgung der Krankheitsaktivität und damit besseren Therapieeinstellung beherrschten die Debatten.
    Neue Substanzen gegen die Volkskrankheit
    Aufsehen erregten unter anderem Studien zur innovativen Substanz Rituximab. "Die Wirksamkeit von Rituximab in der Behandlung von RA-Patienten, die auf die Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDS) nicht ansprechen, wurde klar nachgewiesen", berichtet Prof. Smolen. Die Substanz, die für die Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Lymphgewebes schon längere Zeit zugelassen ist, unterdrückt die B-Zellen, also spezifische Immunzellen, und ist so in der Lage, entzündliche und schmerzhafte Prozesse einzudämmen.
    Auch eine viel versprechende neue Behandlungsoption bei der so genannten systemischen juvenilen chronischen Arthritis (SJCA) präsentierten Forscher beim EULAR 2005. "Erste Studienergebnisse zeigen, dass die Substanz Tocilizumab die Mobilität betroffener Kinder und Jugendlicher verbessern und fiebersenkend wirken kann", so Prof. Smolen.
    Ökonomische Folgen
    Auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der enormen Verbreitung rheumatischer Erkrankungen wurden in zahlreichen Präsentationen unter die Lupe genommen. So evaluierte eine Untersuchung, die von mehreren österreichischen Zentren unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. B. Leeb, Stockerau, durchgeführt wurde, die direkten und indirekten Kosten der Rheumatoiden Arthritis. Die direkten medizinische Kosten betrugen bei den untersuchten Personen im Durchschnitt 5.719 Euro pro Jahr, dazu kommen durchschnittlich krankheitsbezogene nicht-medizinische Kosten von 2.688 Euro in Summe also 8.407 Euro pro Patient pro Jahr.
    Noch nicht mit berücksichtigt sind dabei krankheitsbedingte Einkommensausfälle von durchschnittlich 13.361 Euro, die jedoch in der Gruppe der berufstätigen Patienten 31.473 Euro betrugen. Fazit: Die finanzielle Belastung der RA pro Patient summiert sich auf 22.000 Euro pro Patient und Jahr, und auf 40.000 Euro pro Patienten im Berufsleben.
    "Der ökonomische Druck durch rheumatische Beschwerden ist ebenso hoch wie der Leidensdruck, dem Patienten ausgesetzt sind", so der EULAR-Präsident. "Das ist mit ein wichtiger Grund, neuartige therapeutische Strategien einzusetzen und neue Behandlungsmethoden zu erforschen."