1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Newsletter

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von Lilly, 7. Februar 2006.

  1. Lilly

    Lilly offline

    Registriert seit:
    30. April 2003
    Beiträge:
    5.171
    Zustimmungen:
    0
    Rheumaforschung im Aufwind
    Der Jahreskongress des American College of Rheumatology ging im November 2005 mit einem Besucherrekord zu Ende. Mehr als 12.000 Teilnehmern wurde ein beeindruckendes Angebot an Vorträgen, Workshops und Posterpräsentationen offeriert. top medizin sprach mit Univ.-Prof. Martin Aringer, der in San Diego vor Ort war, über die Highlights. Waren diese nach einem hochkarätig besetzten EULAR 2005 in Wien noch möglich?
    Sie waren am Jahreskongress des ACR. Mit welchen Eindrücken kommen Sie zurück?

    M. Aringer: Obwohl der ACR-Kongress in San Diego mit etwa 12.000 Teilnehmern der bisher größte Rheumakongress weltweit war, stand er eher im Zeichen der Konsolidierung – wirklich neue Erkenntnisse gab es kaum, aber neue Daten, die unsere bisherigen Annahmen stärken.

    Gibt es nach dem EULAR in Wien neue Erkenntnisse bei rheumatischen Erkrankungen im Allgemeinen?

    M. Aringer: Nein, eigentlich war im Vergleich zur EULAR-Tagung nichts wesentlich Neues zu finden. Die „üblichen Verdächtigen“ tauchen immer wieder auf, die gleichen Zellen, Zytokine, Rezeptoren und Autoantikörper wurden auch in den letzten Jahren diskutiert. Wirklich neue Aspekte sind diesmal nicht dazugekommen, aber die Qualität und Menge der Arbeiten nehmen zu.

    Gab es Studien-Highlights und zu welchen Indikationen?

    M. Aringer: Auch hier gab es keine völligen Überraschungen, aber doch einige wesentliche Punkte: Die TNF-Hemmer halten auch über längere Zeit die knöcherne Progression auf, auch der Anti-IL-6-Rezeptor-Antikörper Tocilizumab scheint dies zu können. Dafür gab es Berichte über doch erhöhte orthopädisch-chirurgische Komplikationsraten unter TNF-Hemmern. Die Daten der leider schief gegangenen Etanercept-Wegener-
    Studie sprechen dafür, dass TNF-Hemmer in Kombination mit Cyclophosphamid solide Tumoren begünstigen
    können. Andererseits verringern sie wahrscheinlich das bei der chronischen Polyarthritis erhöhte kardiovaskuläre
    Risiko.

    Welche Medikamente werden in Zukunft eine tragende Rolle spielen?

    M. Aringer: Methotrexat, Leflunomid und die TNF-Blocker sind nicht wegzudenken. Dazu werden bald zumindest
    drei neue Biologicals, nämlich der Kostimulationshemmer Abatacept und die Antikörper Rituximab (gegen B-Zellen) und Tocilizumab (gegen den Interleukin-6-Rezeptor), kommen, die alle drei offensichtlich hochwirksam sind. Für den Rest ist es noch ein wenig früh, wirkliche Voraussagen zu treffen.

    Welche Indikationen werden von der Rheumaforschung profitieren. Wo tappt man nach wie vor im Dunkeln?

    M. Aringer: Hier ist einiges in Bewegung, vor allem was klinische Studien betrifft. Was mit der chronischen Polyarthritis begonnen und dann die seronegativen Spondylarthritiden ergriffen hat, dass nämlich wirklich neue medikamentöse Ansätze getestet werden, erleben wir jetzt auch beim systemischen Lupus erythematodes (SLE), wo unter anderem B-Zell-Depletion, TNF- und IL-6-Rezeptorblockade, Kostimulationshemmung und Peptidtherapie in Studien versucht werden – zum Teil mit sehr ermutigenden Ergebnissen. Mykophenolat wird möglicherweise auf Dauer Cyclophosphamid ersetzen, falls die Langzeitergebnisse halten was Kurzzeitstudien versprechen. Sogar für wirklich seltene Erkrankungen wie die systemische Sklerose gibt es jetzt kontrollierte Studien, von Cyclophosphamid bis zu Bosentan, die doch schrittweise Fortschritte bringen. Für ein wirklich schlüssiges
    Verständnis der Pathogenese fehlen aber noch viele Puzzleteile.

    Wie ist die österreichische Rheumaforschung positioniert?

    M. Aringer: Gerade nach diesem Kongress können wir uns nicht beschweren. Über 20 Abstracts aus Österreich, von
    Innsbruck bis Wien, haben im Reviewprozess bestanden. Im Rahmen der wesentlichen Plenarvorträge sind die Rolle
    von Professor Smolen für die frühen TNF-Blocker-Studien, die Arbeiten von Professor Schett und Professor Redlich
    zur Entstehung von Usuren und unsere TNF-Blocker-Studie bei SLE-Patienten hervorgehoben worden.

    Was bedeutet dies für Rheumapatienten in Österreich?

    M. Aringer: Dort, wo Rheumatologen die Patienten rechtzeitig sehen, ist die Versorgung hierzulande hervorragend. Trotz zunehmendem Kostendruck bekommt in Österreich eigentlich jeder die Basistherapie, die er braucht, auch wenn es sich um ein Biological handelt. Andererseits belegen Studien klar, dass Patienten mit rheumatischen Erkrankungen möglichst rasch rheumatologisch untersucht werden müssen. Der Zugang zur rheumatologischen Versorgung ist aber nach wie vor problematisch.

    Zu lange Anreisewege und monatelange Wartezeiten sind ein Problem. Wir brauchen mehr Rheumatologen und rheumatologische Zentren und ganz sicher nicht noch weniger. Und wir müssen weiter daran arbeiten, dass all
    jene, die die Patienten zuerst sehen, wissen, dass wir viel tun können, wenn wir rechtzeitig dran sind.

    Wir danken für das Gespräch!


    [​IMG]

    [​IMG]
    Autor:
    Das Gespräch führte Mag. Sandra Standhartinger

    Unser Interviewpartner: Univ.-Prof. Dr. Martin Aringer, Univ.-Klinik f. Innere Medizin III, Klinische Abteilung f. Rheumatologie, Währinger Gürtel 18–20,
    1090 Wien

    to010608
    [​IMG]Wirbelsäule: Quantifizierung und Optimierung der stabilisierenden Muskulatur
    Patienten mit Rückenschmerzen sind in der orthopädischen Praxis keine Seltenheit. Eine Methode, um Rückenschmerzen vorzubeugen oder bestehende Schmerzen zu vermindern, ist die Kräftigung der Rückenmuskulatur. Wir sprachen mit dem manualtherapeutisch ausgebildeten Orthopäden Dr. Paul Köstler, der seit 4 Jahren einen Wirbelsäulenstützpunkt in Wien leitet, über seine bisherigen Erfahrungen und die Unterschiede zu alternativen Krafttrainings.
    Wie hat alles begonnen?

    P. Köstler: 1990 begann eine Arbeitsgruppe an der Sporthochschule Köln mit biomechanischen Untersuchungen der Hauptfunktionsmuskelgruppen von Rumpf und HWS. Sie fand heraus, dass der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur zwar von vielen Autoren eine zentrale Bedeutung für die Ent-stehung und Beseitigung von Rückenschmerzen zuerkannt wurde, die bio-logischen Komponenten des Rückenschmerzes, Muskelkraft, Muskelkorsett, muskuläres Defizit, muskuläre Dysbalance und muskuläre In-suf-fizienz jedoch nicht exakt definiert waren. Es existierte weder ein differenzierender analytischer Ansatz noch aussagekräftiges Referenzmaterial zur Evaluation und Charakte-risierung der kom-plexen wirbelsäulen-stabilisierenden Muskulatur. So wurde weltweit erstmals in mehr als 100 wissenschaftlichen Forschungsstudien ein Analyse- und Trainingskonzept zur Quantifizierung und Optimierung der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur geboren. Gleichzeitig entwickelte man mit einem deutschen Kraftgeräteher-steller spezielle PC-vernetzte High-Tech-Trainingsgeräte, die Messung und Training kombinieren konnten.

    Was sind die Grundlagen Ihres Wirbelsäulenkonzeptes?

    P. Köstler: Die Basis dieses FPZ (Forschung- und Präventionszentrum)-Konzepts gliedert sich in drei Maßnahmen, die systematisch aufeinander aufbauen:

    • die biomechanische Funktionsanalyse der Wirbelsäule (Dauer: 90 Minuten, als Grundlage dient die weltweit größte von den FPZ-Einrichtungen gesammelte Datenbank von derzeit mehr als 40.000 Referenzdaten von Rückengesunden)

    • das Aufbauprogramm (24 Therapie-einheiten pro Monat à 60 Minuten = 2x pro Woche JE eine Stunde)

    • das Trainingsprogramm zur weiter-führenden Prävention (eine regelmäßige Trainingseinheit pro 5–10 Tage, Dauer: jeweils 60 Minuten)

    Auf den Analyseergebnissen aufbauend wird für jeden Patienten ein maßgeschneidertes individuelles Trainingsprogramm entwickelt, nach dem er zweimal wöchentlich je eine Stunde trainiert. Folgeanalysen dokumentieren dann seine Fortschritte und ermöglichen somit die kontinuierliche Optimierung des Trainings. Kein Trainingsplan gleicht dem anderen. Alle Trainingsmaßnahmen werden unter intensiver individueller Betreuung erfahrener Trainer (Sportwissenschaftler oder Physiotherapeuten mit spezieller Ausbildung) durchgeführt.

    Zunehmend findet man Angebote von Rückentraining in Fitnesscentern oder anderen medizinischen Krafttrainingseinheiten. Wodurch unterscheidet sich Ihr Wirbelsäulenprogramm?

    P. Köstler: Unser Trainingskonzept basiert auf wissenschaftlicher Qualität, auf bestens ausgebildeten Fachkräften, die individuell auf den Trainierenden ein-gehen und auf dem nach strengen deutschen Qualitätskriterien vorgegebenen ausgewogenen Maßnahmenmix aus Krafttraining an den FPZ-High-Tech-Geräten, Stretching-übungen sowie entlastenden Entspannungsübungen für Rumpf-, Nacken- und Halsmuskulatur. In Fitnesscentern mangelt es meist sowohl an wirklicher Erfahrung mit dem Thema kranke, dekonditionierte Wirbelsäule als auch an kompetenten Trainern. Außerdem sind die Geräte meist Standardbauart und können niemals die Exaktheit an Messung und Training bieten, wie wir sie haben.

    Andere Trainingzentren arbeiten mit einem ähnlichen Konzept.Welche Gründe sprechen für Ihren WS-Stützpunkt?

    P. Köstler: Andere der derzeit auf dem Markt befindlichen Trainingszentren bieten mit nur zwei Geräten und ihrer Datenreferenz-bank bei der Analyse nicht die Exaktheit wie wir, das Training wird nur anfangs begleitet und entspricht später ohne Betreuung und Folgeanalysen eher dem eines Fitnesscentertrainings ohne Betreuung. Ich komme, wann ich will, und bin alleine auf mich gestellt. Mit dem FPZ-Konzept nützen alle Kunden ihre Trainingszeit optimal aus und können praktisch nichts falsch machen, da ihnen während der ganzen Stunde ein persönlicher Trainer zur Seite steht.

    Welche Patientenklientel kommt vorwiegend zu Ihnen?

    P. Köstler: Unsere Klientel ist bunt gemischt. Es trainieren sowohl Golf- oder Basketballprofis als auch bandscheiben-operierte Patienten. Der Hauptteil aber sind sicher Menschen, denen bewusst ist, dass sie im täglichen Leben zu wenig Bewegung gemacht haben und dadurch entweder an rezidivierenden Lumbalgien leiden oder bei denen bereits ein Prolaps diagnostiziert wurde, oder sie haben bereits die erste Operation hinter sich. Jedenfalls hatten sie mit herkömmlichen konservativen Therapieformen keinen oder zu wenig Erfolg und suchen etwas Effektiveres – ein Training, in dem Effektivität und Qualität groß geschrieben werden. Viele also schätzen die FPZ-Therapie wegen des relativ geringen Zeitaufwandes bei gleichzeitig großer Wirkung. Der Faktor, dass alle, die ihren Rücken trainieren wollen, vorher eine medizi--nische Unbedenklichkeitsuntersuchung absolvieren müssen, ist beruhigend für sie, da sie nicht befürchten müssen, wie in einem Fitnesscenter, irgendetwas übersehen zu haben, das negative Folgen nach sich ziehen könnte.

    Sind dauerhafte Erfolge zu erwarten bzw. in welchem Zeitraum sind dauerhafte Erfolge zu erwarten? Welche Erfolgszahlen können Sie vorweisen?

    P. Köstler: Die meisten Erfolge stellen sich bereits nach den ersten drei Wochen ein: subjektive und objektive Steigerung der Lebensqualität durch die allgemeinen Aktivierungsmaßnahmen wie Kreislauf und Kondition, aber auch rasche Verbesserung der Alltagsbeweglichkeit. Durch die individuellen Nachmessungen der Kraftwerte sieht der Patient auch seinen Fortschritt schwarz auf weiß und erreicht so nach 24 Trainingseinheiten sein Ziel mit höchster Präzision. Nach vier Jahren Trainingszeit mit monatlichen Qualitätsbefragungen bei mehr als tausend Patienten haben wir Durchschnittswerte für Kraft- und Leistungssteigerung um 50%, eine deutliche Reduktion/Schmerzfreiheit von Rückenbeschwerden bis zu 80%, eine Reduktion des Medikamentengebrauchs um ca. 61% und ein Minus von Tagen mit schmerzbedingter eingeschränkter Aktivität um 63%. Die Dropout-Rate durch medizinische Prob-leme liegt bei 18%.

    Wie lange nach einem Prolaps können Patienten mit dem Muskulaturaufbauprogramm beginnen?

    P. Köstler: Nach einem Vorfall sollten alle akuten neurologischen Symptome abgeklungen sein, bei uns kann nach einer positiven ärztlichen Nachuntersuchung im Schnitt nach 8–10 Wochen mit einem Training begonnen werden.

    Ist das FPZ-Training auch für Patienten mit Instabilität geeignet?

    P. Köstler: Da Listhesen und Hypermobilität oft mit segmentalen hypomobilen Problemen verknüpft sind, kommt es vor, dass ich einem Patienten zunächst eine einzelheilgymnastische Therapie zur Verbesserung der Beweglichkeit und Kör-perwahrnehmung empfehle und ihn erst danach in ein Muskeltraining integriere. Dabei arbeite ich seit Jahren mit versierten niedergelassenen Physiotherapeuten zusammen, die mein Konzept genau kennen und wissen, wann ein Patient „reif ist“, auf Krafttraining umzusteigen. Die eigentliche Stabilisierung kann nur mit muskulärer Kraft erfolgen, und genau das schafft dann unser FPZ-Training in kürzerer Zeit als andere konservative Therapiemethoden. Wir betreuen viele solcher Fälle, unser jüngster Patient war 14 Jahre und der älteste 82 Jahre alt.

    Danke für das Gespräch!


    [​IMG]

    [​IMG]
    Autor:
    Das Gespräch führte Dr. Christine Dominkus

    Unser Interviewpartner: Dr. Paul Köstler, FA für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Kleine Neugasse 9/6, 1050 Wien; Wirbelsäulenstützpunkt: Paniglgasse 7, 1040 Wien

    or010638
    [​IMG]quelle: http://www.universimed.com/frame.php?frame=http%3A//www.universimed.com/stage/networkcenter.php%3Fnw%3D4%26cat%3D%26table%3D%26view%3Darticle%26id%3D10702