Guten Abend, Claudia.
Ja, das scheint uns allen so zu gehen. Wenn ich durch diese Seiten scrolle, stelle ich immer wieder fest, daß es manchmal leichter zu ertragen ist, wenn man schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Ich denke oft an meine Jugend zurück und daran, daß ich vor Gesundheit nur so strotzte und die Welt erobern konnte. Kein Tanzfest ohne mich, kein Berg zu hoch, kein See zu tief, Motorradtracking, Wasserskilaufen, Hanggliding, Wandern, Radfahren bis zu 250 km und und und - nix mehr, aus, Schluss, vorbei. Nur - es kam bei mir mit Anfang 40 und richtig los ging es Mitte 40. Heute bin ich fast 52, hatte nie Kinder und bin 2 x geschieden. Habe jahrelang im Ausland gelebt, bin viel gereist - auch alles vorbei. Nun denn, die Krankheit hat mich erwerbsunfähig gemacht, cP in allen Gelenken, Füsse kaputt, die Hände sehen aus wie Frankenstein und der Rest paßt zu allen euren Klagen.
Ja, eine Achterbahn ist diese Krankheit sicherlich. Kein Tag ist wie der andere, keine Stunde gleicht der nächsten. Gerade hast du dich aufgerappelt - wusch, kommt ein Nackenschlag. Ich war schon so weit unten, daß ich Schluss machen wollte. Ich wollte leben, aber ohne Schmerzen - tiefe Depressionen ergriffen mich, der Körper wurde krank, die Seele schrie nach Hilfe und da habe ich mich der Herausforderung gestellt. Ich habe angefangen, mich rundum zu informieren und habe einfach mich akzeptiert. Ich habe aufgehört, den Menschen um mich herum etwas vorzumachen, ich habe aufgehört, mich selbst zu belügen. Kann nicht, geht heute nicht, bin krank, fühle mich schlecht, habe Schmerzen, lasst mich alleine, will meine Ruhe - punkt. Das habe ich gelernt zu sagen, dazu stehe ich und ich habe die Einsamkeit kennengelernt.
Nun denn, du wirst nie mehr so sein, wie du warst. Es wird nie mehr einfach werden, aber das Leben hat auch mit cP vieles zu bieten - du mußt dir nur den Weg suchen, der für dich begehbar ist. Und lass dich nie beirren. Du kannst in guten Büchern mehr über diese Krankheit lernen, wie von manchen Ärzten. Suche nicht verkrampft nach Lösungen, die liegt nicht in unseren Händen. Nimm die Krankheit an, mach das Beste daraus und akzeptiere einfach, daß für dich und uns alle die Uhren etwas anders ticken.
Ich habe alle Talfahrten durchgemacht und ich habe es geschafft, wieder in die Arbeitsfähigkeit zu gelangen. Eingeschränkt natürlich, aber immerhin. Ich habe 23 Monate voll gearbeitet, Schicht, Feiertags/Wochenende und jetzt ist halt wieder Schluss. So wird es immer sein und ich finde es gut. Wieso? Weil ich weiss, daß es so ist und ich finde es jetzt wieder ok, krank zu sein, auszuschlafen, einfach das zu tun, was ich kann und will und keinem Drang zu unterliegen. Geld stimmt und mein Mann, jünger als ich (!) kannte die Krankheit auch von Anfang an und er ist die psychische Stütze in diesen Zeiten. Ich höre viel Musik, lese anregende Bücher, studiere Astrologie, suche im Internet chat-freunde (ich habe Katzen) und ich halte Kontakt nach draussen.
Denk immer daran: Leben ist, was du daraus machst.
Alles Gute, Kraft, Glück und Stärke wünscht dir Uschi aus KA.