Hallo Dresden und alle anderen,
dass das Karpaltunnelsyndrom von der Fibro kommen soll, ist mir auch neu und erscheint mir recht abwegig.
Dass entzündliche Prozesse dafür verantwortlich sind, ist da schon logischer, denn die Symptome entstehen ja meist aus dem Grund, weil die Nerven in dem kleinen Knochenspalt nicht mehr genügend Platz haben und somit gequetscht werden, was teilweise so arg werden kann, dass die Nervenbahnleitschwindigkeit kaum noch gemessen werden kann.
Ursache können Sehnenscheidenentzündungen sein durch Überlastung, wenn die Hände stark beansprucht werden, z. B. bedienen durch kraftaufwändiger Maschinen. So litten früher Sekretärinnen oft darunter, weil die Tastatur der mechanischen Schreibmaschinen nicht so leicht zu bedienen waren wie die heutigen PC-Tastaturen. Dann gehört der typische „Tennisarm“ auch dazu.
Ursache können aber auch Entzündungen aufgrund rheumatischer Aktivität in den Handgelenken sein.
Es gibt allerdings auch seltene Fälle von Karpaltunnelsyndrom, wo die Ursache nicht ausfindig gemacht werden kann.
Gleich welche Ursache nun primär der Auslöser ist – wichtig ist, nicht so lange zu warten, bis die Hände nahezu unbrauchbar geworden sind. Manchmal kann es allerdings auch so sein, dass der Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom schon länger besteht, jedoch bei den neurologischen Untersuchungen nicht erkannt werden kann, weil gerade im Augenblick der Untersuchung eine gesundheitlich etwas bessere Ausgangslage besteht. Dann wird die Ursache u. U. erst Jahre später erkannt, wenn mit den Händen kaum noch etwas getan werden kann.
So war es zumindest bei mir der Fall. Ich hatte zum Schluss keinerlei Feinmotorik mehr, konnte nichts mehr fühlen geschweige denn sicher anfassen, so dass ich mir eine ungewöhnliche Art des Tragens von Gegenständen angewöhnte: mit einer Hand umfasst, mit dem anderen Unterarm gestützt, denn dort spürte ich noch etwas. Ferner konnte ich seit Jahren nur noch auf dem Rücken schlafen, weil sonst der gesamte Arm schmerzhaft kribbelnd einschlief. Zum Schluss fuhr ich auch kein Auto mehr, weil es mir einfach zu gefährlich geworden war.
Letzten Monat in Sendenhorst wurde dann auch das bereits seit Jahren vermutete Karpaltunnelsyndrom in beiden Händen bestätigt. So war an den Fingern die Nervenbahnleitschwindigkeit nur noch ca. 5,3m/s, während sie anderswo ca. 54m/s betrug.
Heute bin ich nur glücklich und froh, dass ich auch sofort einen OP-Termin ausmachte. Und bin noch dankbarer dafür, dass mir erklärt wurde, warum es wichtig ist, sich als Rheumatikerin von einem Rheuma-Orthopäden operieren zu lassen und nicht von einem Hand-Chirugen.
Denn der Hand-Chirug hat in den seltensten Fällen gleichzeitig fundierte Kenntnis von rheumatischen Händen und den möglichen Schäden, die eine Arthritis dort verursachen kann. Meist durchtrennt der Hand-Chirug lediglich die Karpaltunnelsehne und lässt die eigentliche Ursache für die Verengung unbeachtet in der Hand.
So kann es passieren, dass die OP zwar anfänglich gute Besserung erzielt, aber irgendwann später geht es der Hand ähnlich schlecht wie vor der OP. Weil die sich in der Hand befindlichen Entzündungen nicht mit entfernt wurden!
Ein Rheuma-Orthopäden hingegen schaut immer genau nach, ob sich nicht irgendwo in der Hand oder im Handgelenk auch Entzündungen befinden, die er dann bei der OP entsprechend mit behandelt und wenn nötig entfernt. Dann besteht nämlich die Gewissheit, dass der Erfolg der OP lange Zeit anhält.
Denn es gibt leider ebenfalls häufiger die Möglichkeit, dass in sämtlichen bildgebenden Verfahren keinerlei Anzeichen für Entzündungen zu finden sind, seien sie nun frisch aktiv oder alt und abgeklungen.
So war dies auch bei mir vor 14 Tagen. Ich bin froh, dass ich für die Operation durch einen Rheuma-Orthopäden entscheiden hatte, denn er fand überraschenderweise in meiner rechten Hand viele alte vernarbte Entzündungen, die meine Nerven abdrückten. Entzündungen, die auf keinem Röntgenbild zu erkennen waren, selbst nicht auf denen, welche wenige Stunden vor dem Eingriff gemacht wurden. Und er vermutet, dass es in meiner linken Hand genauso aussehen wird, sehr wahrscheinlich auch in weiteren schmerzenden Gelenken. Obwohl ich mich derzeit weitgehend in Remission befinde, lediglich die Fibro stark aktiv ist. Aber man weiß ja nicht, was die Arthritis vorher zu aktiven Zeiten für Entzündungsschäden angerichtet hat. Vieles ist erkennbar, aber eben nicht alles.
Die OP ist bei mir einfach nur fantastisch gelaufen. Bereits im Aufwachraum, direkt danach, konnte ich wieder sanfte Berührungen an den Fingerspitzen spüren! Ich konnte selbst den zarten Windhauch fühlen, wenn gepustet wird. Und hatte keinerlei Schmerzen in der Hand, ja es war so traumhaft toll, dass ich ständig versucht war, meine frisch operierte Hand zu benutzen, einfach weil es ihr so viel besser ging als der linken, noch nicht operierten. Es eröffnen sich mir heute völlig neue Lebensperspektiven, denn ich kann seit Jahren erstmals wieder meine Hand zuverlässig benutzen. Gut, schwere Sachen mache ich noch nicht, denn es dauert ca. 8-10 Wochen, bis alles gut verheilt ist und ich möchte nichts zerstören. Aber ich kann vor lauter Ungeduld kaum abwarten, bis ich wieder mit beiden Händen fest zupacken kann, aber auch wieder feinste Näharbeiten erstellen kann.
Zu den angesprochenen Handorthesen kann ich nur sagen, dass diese ihre Berechtigung haben, die Funktionalität unserer Hände, oder anderen zu stützenden Gelenke, sinnvoll verbessern.
So trage ich bereits seit zwei Jahren meine Handorthesen für sämtliche schwere Arbeiten, weil ich diese sonst nicht hätte ausführen können. Ich spreche von bügeln, Staubsaugen, wischen, Gartenarbeiten. Aber auch einkaufen, wenn ich weiß, die Sachen sind schwerer. Und auch bei dem Gerätesport. Jetzt, so kurz nach der Operation, trage ich die Orthesen auch bei leichteren Tätigkeiten, so z. B. beim Autofahren, das ich wieder kann! Denn die Wunde ist zwar äußerlich inzwischen gut verheilt, aber noch lange nicht auch innen. Da besteht durchaus das Risiko, durch Überanstrengung der Hand unbewusst und ungewollt Schaden zuzufügen.
Da ich auch Probleme mit meinen Sprunggelenken habe, trage ich seit ca. 4 Jahren knöchelhohe, flache Prophylaxe-Schuhe. Denn mir ist es wichtig, sicher zu gehen. Seitdem knicke ich nicht mehr um, stürzte auch nicht mehr.
Ich möchte nicht verschweigen, dass natürlich leider immer die Möglichkeit besteht, dass sich im Laufe eines erneuten Rheuma-Schubes wieder Entzündungen in der Hand entwickeln, die dann auch erneut ein Karpaltunnelsyndrom verursachen können. Aber dies ist leider nun mal Bestandteil unserer Erkrankung.
Deshalb kann ich auch nur schwer nachvollziehen, wenn einem jungen Menschen gesagt wird, er könne kein Karpaltunnelsyndrom haben, das Alter stimme nicht. Rheumatische Erkrankungen sind an kein Alter gebunden, auch wenn diese landläufig als Alte-Leute-Krankheit abgetan wird. Sollte ein Mediziner den eigenen Empfindungen und Schmerzen nicht glauben, ist es ratsam, einen anderen Arzt hinzuzuziehen, eine zweite Meinung einzuholen. Denn keiner bildet sich seine Schmerzen ein! Es ist immer einfacher zu sagen, die Psyche sei Schuld, der Patient übertreibt, als aufwändig Ursachenforschung zu betreiben.
Zu den Schmerzen muss ich leider aus eigner Erfahrung sagen, dass es durchaus möglich sein kann, dass man längere Zeit, bei mir konkret 2 ½ Jahre und kein Ende in Sicht, hochdosierte Morphine, synthetische und später natürliche, einnehmen muss. Einfach, weil die Krankheitsaktivität so hoch ist. Weil: niemand sollte mit starken Schmerzen leben müssen, zuviel Lebensqualität geht dadurch verloren. Es besteht aber auch das Risiko, dass sich die Schmerzen dann derart ins Schmerzgedächtnis einbrennen, dass es kaum noch Linderung geben kann, außer eben durch hochdosierte Schmerzmedikamente.
Allerdings erscheint es mir immer ratsam, zusätzlich einen Schmerzmediziner hinzu zu ziehen, der dann mit den anderen behandelnden Ärzten, Rheumatologe, Hausarzt, evtl. Orthopäde, zusammen arbeitet.
Jetzt ist es doch deutlich mehr Text geworden, als ich ursprünglich schreiben wollte, aber das Thema ist auch komplex. Wenn Du in der „Suchen“-Funktion das Stichwort „Karpaltunnelsyndrom“ eingibst, wirst Du eine große Anzahl von Artikeln hier auf RO finden, natürlich auch zu allen anderen Stichworten. Wichtig ist immer, bestmöglich informiert zu sein, denn nur so kannst Du begreifen, was in Deinem Körper geschieht, Dir aber auch Möglichkeiten erarbeiten, welche Behandlungsschritte es gibt, was Du selber machen kannst, wobei Du Unterstützung brauchst, was aber auch nur von Profis getan werden kann.
Ich wünsche Dir die für Dich bestmögliche Behandlung und vor allem Linderung Deiner Beschwerden.
Liebe Grüße
Erika