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Inwieweit spielt die Psyche doch eine Rolle?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von guckstdu, 2. August 2006.

  1. guckstdu

    guckstdu Neues Mitglied

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    hi liebe RO-lerInnen,

    haaaalt! Bevor Mistverständnisse entstehen: Habe sicher nicht die Seiten gewechselt und meine, es ist alles psychisch. Ich wehre mich auch vehement gegen solche Aussagen von Ärzten, weil es übersetzt soviel heißt wie "das bilden Sie sich nur ein" und anschließend steht man im Regen und bekommt gar keine Behandlung (also auch keine körperliche). Ok, das kennen die meisten zu Genüge.
    Nun habe ich ja einen Termin beim internistischen Rheumatologen und ich frage mich, was kann ich selbst noch tun?
    Bin dabei auf die neurokognitive Therapie gestoßen:
    http://www.bechterew.ch/de/shop/NKT.pdf

    Da wird die Theorie erläutert, dass wie bei einem Benzinmotor, das Luft-/Benzingemisch erst gezündet werden muss, damit der Motor läuft.
    Im übertragenen Sinne würden die genetische Veranlangung (z. B. HLA-B27 positiv) und/oder ein Infekt das Gemisch darstellen und die Psyche den Zündfunken.

    Ich finde die Theorie insofern nicht schlecht, da nicht ALLES auf die Psyche geschoben wird, sondern diese in ein Gesamtmodell integriert wird.
    Und wenn sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, wieso könnte es nicht sein, dass sich ein Teil des Gehirns sag ich mal laienhaft, sich ebenso gegen ja quasi uns selbst wendet und vielleicht sogar diese Autoimmunreaktionen steuert.

    Laut der Theorie möchte dieser Teil aus einer Abwehrreaktion (Stichwort Immunabwehr) heraus, Kontrolle über den Rest ergreifen. Tja und über Schmerzen geht das natürlich ziemlich gut - denn das kann man kaum ignorieren - die Schmerzen haben uns im Griff.

    Naja, in der Therapie soll dieser abgespaltene Teil im Gehirn gefunden und "umprogrammiert" werden - ich hätt ja gedacht Humbug, aber bei einigen hat es funktioniert und sie sind absolut und dauerhaft beschwerdefrei (Studie s. bechterew.de).

    na, schon abgefahren - trotzdem, wie seht ihr die Rolle der Psyche und macht ihr was in die Richtung?

    liebe grüße,
    guckstdu /m
     
  2. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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  3. dani

    dani ÖRL-Worker

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    Hallo Guckstdu,

    also ich bin mir sehr sicher, dass die Psyche eine sehr große Rolle spielt. Habe mit vielen Ärzten schon darüber diskutiert und dem Thema "gibt es den Rheumacharakter" auch ein ganzes Kapitel in meinem Buch gewidmet.

    Ich könnte da jetzt ganz genau mit Erklärungen beginnen, wie sich ein MB-Patient von einem cP-Patienten unterscheidet oder wie ein Fibromyalgie-Kranker ist. Aber da würde ich heut nicht mehr fertig............

    Fakt ist: dass die Psyche eine nicht unwesentliche Rolle spielt und man auch lernen kann, "warum man gerade diese und nicht eine andere Krankheit" hat.

    Leider kann mn aber nicht so einfach schwarz/weiß sagen "weil der so und so ist, deshalb hat er diese oder jene Erkrankung".

    Habe mich viele Jahre damit beschäftigt und das ist ein ganz spannendes Gebiet.

    Vor ca 2 Jahren habe ich (unter dem namen "Humania") hier einmal einnen Thread unter "Gibt es den Rheumacharakter" eröffnet, da ich da gerade beim Schreiben meines Buches war und die Meinung der RO`ler dazu wissen wollte.

    http://www.rheuma-online.de/phorum/showthread.php?t=6939&highlight=rheumacharakter

    und

    http://www.rheuma-online.de/phorum/showthread.php?t=6980&highlight=rheumacharakter

    Da kannst Du auch die Meinungen der anderen nachlesen.

    alles Liebe​
     
  4. mandelmars

    mandelmars Neues Mitglied

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    Hallo,

    habe gerade darüber nachgedacht, was bei mir nach 17 ! Jahren Ruhe die CP wieder ausgelöst haben könnte.

    Stress, Sorgen oder Labilität können es nicht gewesen sein - ich war psychisch noch nie so stabil wie jetzt. Es ging mir noch nie so gut! Selbst diesen neuen Schub verkrafte ich im Moment ganz gut -> ich sehe es (noch) gelassen.

    Ich glaube daher, dass die Psyche allein nicht einen arthritischen Schub oder gar die Krankheit auslösen kann. Wahrscheinlich aber kann sie die Beschwerden verschlechtern, weil man gegen die Krankheit arbeitet.

    und auch umgekehrt: die Krankheit kann natürlich die Psyche stark belasten (Gereiztheit, Frust, Traurigkeit, Zukunftsangst...) und auf eine harte Probe stellen.

    Ich glaube allerdings schon, dass manche Krankheiten wie z.B. Reizdarm-Syndrom allein durch psychische Beschwerden ausgelöst werden können - aber bei Rheuma glaube ich das nicht.

    viele Grüße von mandelmars
     
  5. dani

    dani ÖRL-Worker

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    @mandelmars

    also so ganz stimme ich Dir nicht zu und irgendwie widersprichst Du Dir auch.

    Das Reizdarmsyndrom soll durch die Psyche ausgelöst weren, aber Rheuma nicht?????? :rolleyes:

    Ich denke (und bin der Meinung, dass da die meisten zustimmen) dass die Psyche alleine GAR KEINE Krankheit auslösen kann. Es muss schon die Disposition dazu gegeben sein. Allerdings kann die Psyche sehr wohl einen Schub auslösen. Ich befasse mich schon viele Jahre damit und man muss da schon sehr genau differenzieren. Aber auch den Ärzten wird heute das "sozial psychische Modul" gelehrt, eben dass Geist-Körper-Seele als Einheit zu behandeln sind. War es nicht immer so, dass wir bzw. der Großteil der Patienten sich immer beklagten, dass die Ärzte immer nur den Körper bzw. die Krankheit behandelten, anstatt sich auch mit dem "Menschen" zu befassen der dahinter steht???????? Weshalb sollte denn das eine Rolle spielen, wenn bei Rheuma ja ohnehin die Psyche keine Rolle spielt..........?

    Ich habe ja auch geschrieben, dass man das nicht so schwarz/weiß sehen darf. Nur - ich denke, dass bei ALLEN Krankheiten die Psyche eine Rolle spielt.

    Ich verstehe bei Dir nur nicht, weshalb Du glaubst, dass beim Reizdarmsyndrom die Psyche eine Rolle spielt und bei Rheuma nicht - immerhin gibt es über 400 verschiedene Krankheitsbilder im rheumatischen Formenkreis.........

    So wie Du schreibst, bist Du ja momentan seelisch total stabil und trotzdem hast Du einen Schub bekommen. Naja, das ist ja ganz klar, denn wenn IMMER nur die Psyche einen Schub auslösen würde, dann wäre es ja ganz einfach zu sagen - geh zum Psychologen und lass Dich therapieren und Dein "Rheuma" ist weg.........oder nicht ;)

    so long​
     
  6. mandelmars

    mandelmars Neues Mitglied

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    mmm - ich bin halt von meinen Erfahrungen (natürlich subjektiv) ausgegangen.

    Ich meinte es schon genau so: Reizdarm-Syndrom kann durch psychischen Stress ausgelöst werden und bei Rheuma kann ich mir das nicht vorstellen.

    Ich hatte mal Reizdarm-Syndrom, welches durch jahrelangen Stress(Mobbing) ausgelöst wurde. Hatte meine Situation verändert und siehe da: Stress weg -> Reizdarm-Syndrom weg.
    Für mich sah das schon so aus, als wäre allein die Psyche Grund für RDS gewesen.
    Ich persönlich glaube also, dass man manche Krankheiten alleine durch eine psychisch schlechte Verfassung bekommen kann - allerdings nicht Rheuma (wohl aber einen Schub, wenn man sowieso Rheuma hat).

    Ist aber nur meine laienhafte persönliche Meinung - versteht sich :)

    liebe Grüße
    mandelmars
     
  7. Chipsy

    Chipsy Neues Mitglied

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    Hallo,

    zum Thema "Rheuma durch die Psyche" möchte ich etwas beitragen.

    Im Februar 1982 hatte ich eine Totgeburt bei der ich sehr viel Blut verloren habe und ich beinahe gestorben wäre. Mein Körper war lange Zeit sehr geschwächt und ich hatte mit dem Verlust des Babys lange Zeit zu kämpfen. Noch in der sog. Mutterschaftsfrist fing "meine chron. Polyarthritis" an und hat mich bis heute nicht verlassen. Mein damaliger behandelnder Professor hat eindeutig den Zusammenhang zwischen der Totgeburt und dem geschwächten Körper als Ausgangspunkt der cP gewertet. Er meinte auch, wenn das Kind lebend geboren worden wäre, wäre ich "vielleicht" nicht erkrankt. 100%ig konnte er es nicht sagen. Er gab mir den Rat, so schnell wie möglich wieder schwanger zu werden. Leider hat die andauernde medikamentöse Behandlung und die schnell fortschreitenden Gelenkzerstörungen (nach 4 Jahren brauchte ich schon den Rollstuhl) eine weitere Schwangerschaft nicht mehr zugelassen.

    Die Krankheit hat aus mir, einer "kerngesunden" jungen Frau innerhalb weniger Jahre, trotz aller Behandlungsmöglichkeiten, eine schwerbehinderte und pflegebedürftige Kranke gemacht die allerdings, auch dank ihres Ehemannes, nicht den Mut am Leben verloren hat.

    Liebe Grüße

    Chipsy
     
  8. guckstdu

    guckstdu Neues Mitglied

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    Hallo Ihr ;)

    danke für die tollen Antworten - ich möchte einfach "an allen Fronten" was machen - die Frage ist nur wie? Ist eine Therapie die einzige Möglichkeit?
    Ich überlege, wie man Selbstheilungskräfte aktivieren könnte ...
    Ich habe mal ein Interview mit einer Frau gesehen, die Krebs hatte, die hat sich jeden Tag vorgestellt, dass die Krebszellen nicht ihre Feinde sind, aber dass sie einfach nicht erwünscht sind und wie die Leukozyten die Krebszellen vernichten - damit hatte sie Erfolg.
    Da muss wahrscheinlich jeder seinen Weg finden, nun ja, mich macht das Ganze leider ziemich fertig - das geht schon hin bis zu einer Art morgendlicher Panikattacken wg. Zukunftsängsten.

    Ein provozierender Ansatz wäre, sich zu fragen, welche ""Vorteile"" man von der Krankheit hat - so pervers sich das im ersten Augenblick anhören mag.
    z. B. Aufmerksamkeit, man kann viele Dinge nicht machen (vor denen man vielleicht auch Angst hat?), der Körper zieht die Notbremse, wenn bestimmte Grenzen überschritten sind, usw.

    Also ich z. B. möchte schon länger ein paar Dinge bei mir ändern, Umziehen, neuer Job, - aber ich konnte mich nicht aufraffen. Dann waren da noch ein paar Dinge, wo mir eigentlich klar war, Junge, das ist nicht, was du willst - und ich hab´s trotzdem gemacht, weil ich dachte, besser als nix.
    Von daher wundert es mich nicht, dass mein Körper "schreit".
    Nur könnte er jetzt so langsam damit aufhören ... schließlich hab ich ja schon ein bisschen "aufgeräumt" - macht er aber nicht, er macht immer weiter. Wie ein kleines Kind, dass die Brezel haben will und sich auf den Boden schmeißt.
    Ich vermute, das passiert alles im Unterbewusstsein - denn auf bewusster Ebene, möchte ich ja gesund sein und weitermachen - aber ein anderer Teil ist damit wohl nicht einverstanden, keine Ahnung.


    alles Beste,
    guckstdu /m ;)
     
  9. dani

    dani ÖRL-Worker

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    Hallo Guckstdu,

    Du hast das bzw. Dich ja schon sehr gut analysiert!

    ich habe dazu auch einige Jahre gebraucht bis ich drauf kam, weshalb ich gerade diese Krankheit und keine andere habe. Die Frage nicht also nicht das "Warum ich" sondern "Weshalb gerade das".

    Wie gesagt, es würde zu weit gehen, hier jetzt alle meine Thesen aufzuzählen. Aber es hat was mit DIR zu tun und die Krankheit zeigt Dir Deine Grenzen oder bzw. den anderen! Denn der typische Polyarthritiker ist einer der schwer Nein sagen kann und sich dann oft über sich selbst ärgert. Jetzt zeigt aber dessen Körper dem anderen dass er NEIN sagt, denn die Krankheit zeigt nach Außen, sodass auch die anderen es wahrnehmen. "Der kann nicht mehr" (dies ist jetzt aber nur ein Körnchen von vielen Aspekten)


    Es ist eben ein unerschöpfliches Thema aber auch sehr interessant. Nicht alle schaffen es selbst damit klar zu kommen und die sollten sich professionelle Hilfe suchen. Nur, zu einem Psychotherapeuten muss man vertrauen haben um sich zu öffnen und das ist oft ehr schwer.

    Wünsche Dir alles Gute und viel Kraft Deinen Weg zu finden!!​