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Herbstgedichte

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Gerlinde, 12. September 2003.

  1. Gerlinde

    Gerlinde Guest

    Liebe Forumsteilnehmer,
    ein Literaturbrunch, bei dem jeder etwas vortragen muss, brachte mich nach lager Zeit wieder einmal in Kontakt mit Lyrik. Wer's noch nicht kennt: onlinekunst.de bietet reiche Auswahl zum Stöbern. Hier meine aus der Schulzeit wiedergefundenen Lieblingsgedichte:

    Rainer Maria Rilke
    Herbsttag

    Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
    und auf den Fluren laß die Winde los.

    Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
    gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
    dränge sie zur Vollendung hin und jage
    die letzte Süße in den schweren Wein.

    Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
    Wer jetzt allein ist, wird es lage bleiben,
    wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
    und wird in den Alleen hin und her
    unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


    Ingeborg Bachmann
    Die große Fracht

    Die große Fracht des Sommers ist verladen,
    das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
    wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.
    Die große Fracht des Sommers ist verladen.

    Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
    und auf die Lippen der Galionsfiguren
    tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren.
    Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit.

    Wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit,
    kommt aus dem Westen der Befehl zu sinken;
    doch offnen Augs wirst Du im Licht ertrinken
    wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.


    Stefan George

    Komm in den totgesagten Park und schau:
    Der schimmer ferner lächelnder gestade,
    Der reinen wolken unverhofftes blau,
    Erhellt die weiher und die bunten pfade.

    Dort nimm das tiefe gelb, das weiche grau
    Von birken und von buchs, der wind ist lau,
    Die späten rosen welkten noch nicht ganz,
    Erlese, küsse sie und flicht den kranz.

    Vergiss auch diese letzten astern nicht,
    Den purpur um die ranken wilder reben,
    Und auch was übrig bleib von grünem leben
    Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.


    Das Abschreiben jetzt war übrigens eine schöne Erfahrung, man spürt den Rhythmus und die Farben noch viel deutlich als beim bloßen Durchlesen. Wie wär's mit einer kleinen Herbstgedichte-Galerie?
    Viele Grüße - Gerlinde
     
  2. Neli

    Neli Optimistin

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    Septembermorgen

    Septembermorgen

    Im Nebel ruhet noch die Welt,
    Noch träumen Wald und Wiesen:
    Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
    Den blauen Himmel unverstellt,
    Herbstkräftig die gedämpfte Welt
    In warmem Golde fließen.

    Eduard Mörike
     

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  3. Neli

    Neli Optimistin

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    Herbst

    Die weißen Nebel wandeln nun,
    wohl übers Land, dem holden.
    Des Herbstes Sonne mag bald ruh´n,
    noch sind die Tage golden.

    Es färbt sich schon der Blätter Laub,
    in all den bunten Farben.
    Der Wind übt froh an ihnen Raub
    und scheint viel Spaß zu haben.

    Es schwindet bald der Tage Lust,
    die Schauer bringen Kühle.
    Monotonie durchdringt die Brust,
    wo vorher heiße Schwüle.

    Die grauen Tage reifen still,
    es brechen sich die Schatten.
    Der Sommer zügig sterben will,
    den wir so lange hatten.

    Es ist nun Herbst, das Jahr packt ein,
    und reicht uns seine Hände.
    Noch fließt ein warmer Sonnenschein,
    doch geht der bald zu Ende.

    Hansjürgen Katze
     

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    #3 13. September 2003
    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2003
  4. Neli

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    Herbst

    Auszug aus dem Oratorium "Die Jahreszeiten"
    von Joseph Haydn

    Was durch seine Blüte
    der Lenz zuerst versprach,
    was durch seine Wärme
    der Sommer reifen hieß,
    zeigt der Herbst in Fülle
    dem frohen Landmann jetzt.

    Den reichen Vorrat fährt er nun
    auf hochbeladnen Wagen ein.
    Kaum fasst der weiten Scheune Raum,
    was ihm sein Feld hervorgebracht.

    Sein heitres Auge blickt umher,
    es misst den aufgetürmten Segen ab,
    und Freude strömt in seine Brust.
     

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  5. Neli

    Neli Optimistin

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    Herbst

    Herbstbild

    Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
    Die Luft ist still, als atmete man kaum,
    und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
    die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
    O stört sie nicht, die Feier der Natur!
    Dies ist die Lese, die sie selber hält;
    denn heute löst sich von den Zweigen nur,
    was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

    Friedrich Hebbel
     

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  6. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Herbst

    Hallo an alle,

    der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich liebe es durch den Wald zu gehen, ich liebe es zuzuschauen, wie die Blätter sich verfärben und irgendwann herunterfallen. Die Farben erfüllen mich mit Wärme...sattes Grün, warmes Gelb bis zum wunderschönen Rostbraun. Ja ich liebe den Herbst. Ich freue mich jedes Jahr auf den Herbst und finde es sehr schade, daß die Zeit so schnell vergeht. Ich kann mich einfach nicht sattsehen an dem, was die Natur vollbringt. Aber ich habe die Gewissheit, daß ich es ein Jahr später wieder sehen, fühlen und riechen darf.

    Dieses Foto zeigt, was ich mit dem "Herbst" verbinde...

    Herbstliche Grüße
    Sabinerin
     
  7. Neli

    Neli Optimistin

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    Herbstlied

    Herbstlied

    Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
    Hoffst du von Tagen zu Tagen,
    Was dir der blühende Frühling nicht trug,
    Werde der Herbst dir noch tragen!
    Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
    Immer zu schmeicheln, zu kosen.
    Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
    Abends verstreut er die Rosen.
    Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
    Bis er ihn völlig gelichtet.
    Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
    Was wir geliebt und gedichtet

    Friedrich Rückert
     

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  8. atti

    atti a boarischer Schwob

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    Trakl

    Hallo,

    eine nette Idee :)

    Ich mag sowohl Rilke (sehr sehr gern sogar) also auch George.
    Aber was Schwermütigkeit angeht, wird Georg Trakl (*1887) von niemandem getoppt :)


    [Der Herbst des Einsamen]

    Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
    Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
    Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;
    Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
    Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
    Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

    Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
    Im roten Wald verliert sich eine Herde.
    Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
    Es ruht des Landmanns ruhige Geberde.
    Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
    Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.

    Bald nisten Sterne in des Müden Brauen:
    In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden
    Und Engel treten leise aus den blauen Augen
    der Liebenden, die sanfter leiden.
    Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
    Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.



    [Verklärter Herbst]


    Gewaltig endet so das Jahr
    Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
    Rund schweigen Wälder wunderbar
    Und sind des Einsamen Gefährten.

    Da sagt der Landmann: Es ist gut.
    Ihr Abendglocken lang und leise
    Gebt noch zum Ende frohen Mut.
    Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

    Es ist der Liebe milde Zeit.
    Im Kahn den blauen Fluß hinunter
    Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
    Das geht in Ruh und Schweigen unter.
     
  9. Neli

    Neli Optimistin

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    Sonnenblumen

    Die Sonnenblume

    Hast du ein kleines Gärtchen nur
    Und sei's auch noch so klein,
    Die schönste Blume der Natur,
    Die passt bestimmt hinein.
    Die Sonnenblume nennt man sie
    Mit ihrem goldnen Kleid,
    Die einen ganzen Sommer lang
    So manches Herz erfreut.
    Die Bienen und die Vögelein
    Sie laben sich an ihr.
    Sie fängt den ganzen Sommer ein,
    Drum lieb' ich sie so sehr.
    Den Blick zur Sonne stets gewandt,
    So steht sie strahlend da.
    Als hätt' sie eines Meisters Hand
    Gemalt so wunderbar.
    Und wenn die liebe Sonn einmal
    Von Wolken tief verhüllt,
    Schau dir die Sonnenblume an,
    sie ist ihr Ebenbild.

    Agnes Glasneck
     

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    #9 20. September 2003
    Zuletzt bearbeitet: 20. September 2003
  10. Neli

    Neli Optimistin

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    Ein Rilke-Gedicht für atti

    Jetzt reifen schon die roten Berberitzen,
    alternde Astern atmen schwach im Beet.
    Wer jetzt nicht reich ist, da der Sommer geht,
    wird immer warten und sich nie besitzen.
    Wer jetzt nicht seine Augen schließen kann,
    gewiß, daß eine Fülle von Gesichten in ihm
    nur wartet bis die Nacht begann,
    um sich in seinem Dunkel aufzurichten:-
    der ist vergangen wie ein alter Mann.
    Dem kommt nichts mehr, dem stößt kein Tag mehr zu,
    und alles lügt ihn an, was ihm geschieht;
    auch du, mein Gott.
    Und wie ein Stein bist du,
    welcher ihn täglich in die Tiefe zieht.
     

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  11. atti

    atti a boarischer Schwob

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    Neli

    das kannt ich noch garnicht, danke :)

    Rilke hat viele schöne Sachen geschrieben.....
    u.a. das:

    Mir scheint, das Angesicht der Welt verging
    in einem andern. Deiner Seele Schritt
    war leise neben mir, o leis, und glitt
    leis zwischen mich und das, was niederhing

    in meinen Tod. Auf einmal fing -
    - da ich schon sinkend war - mich Liebe auf,
    und ein ganz neuer Rhythmus stieg hinauf
    mit mir ins Leben. Den ich einst empfing,

    den Taufkelch voller Leid, ich trink ihn gern
    und preis ihn, Süßer, süß, bist du nur nah.
    Die Namen: Heimat, Himmel schwanden fern,

    nur wo du bist, entsteht ein Ort. Und da:
    dies Saitenspiel (die Engel wissen wie
    geliebt) hat nur in dir noch Melodie.

    ausserdem mag ich Pablo Neruda sehr gern. Leider ist mein Spanisch zu schlecht, um die Gedichte original zu lesen....
    Aber bald wird sich das ändern :)

    Liebe Grüsse
    ak
     
  12. Neli

    Neli Optimistin

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    Das Apfeljahr

    Der Apfel war nicht gleich am Baum,
    da war erst lauter Blüte.
    Das war erst lauter Blütenschaum
    und lauter Lieb und Güte.
    Dann waren Blätter grün an grün
    und grün an grün nur Blätter.
    Die Amsel nach des Tages Mühn,
    sie sang ihr Abendlied gar kühn
    und auch bei Regenwetter.
    Der Herbst, der macht die Blätter steif
    der Sommer muß sich packen.
    Hei! Daß ich auf die Finger pfeif
    da sind die ersten Äpfel reif
    und haben rote Backen.
    Und was bei Sonn` und Himmel war
    erquickt nun Mund und Magen
    und macht die Augen hell und klar.
    So rundet sich das Apfeljahr
    und mehr ist nicht zu sagen.

    Matthias Claudius
     

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    #12 21. September 2003
    Zuletzt bearbeitet: 21. September 2003
  13. Neli

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    Herbstlied

    Wie die volle Traube
    aus dem Rebenlaube
    purpurfarbig strahlt!
    Am Geländer reifen
    Pfirsiche, mit Streifen
    rot und weiß bemalt.

    (aus "Herbstlied" von Freiherr van Salis-Seewis)
     

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  14. Neli

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    Herbstnebel

    IM NEBEL

    Hermann Hesse, November 1905

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Einsam ist jeder Busch und Stein.
    Kein Baum sieht den andern.
    Jeder ist allein.

    Voll von Freunden war mir die Welt,
    Als noch mein Leben licht war,
    Nun, da der Nebel fällt,
    Ist keiner mehr sichtbar.

    Wahrlich, keiner ist weise,
    Der nicht das Dunkel kennt,
    Das unentrinnbar und leise
    Von allen ihn trennt.

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Leben ist einsam sein.
    Kein Mensch kennt den anderen,
    Jeder ist allein.
     

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  15. Neli

    Neli Optimistin

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    Nun genug der Trübsal!

    Äpfel im Schnee

    Es war an einem Herbsttag in Hindelang,
    vor dem Winter war uns noch gar nicht bang,
    und welche Wonne!
    Ein Apfelbaum leuchtete in der Sonne!

    Da kam auf einmal, o weh, o weh,
    ohne besondere Anmeldung der erste Schnee.

    Der Apfelbaum guckte ganz erschrocken und dumm,
    er machte sich aber kein bisschen krumm,
    er brauchte nur eine kurze Zeit zum Bedenken,
    und wir konnten bestaunen sein starkes Renken.

    Er wollte den Schnee einfach von sich abschütteln,
    vielleicht sollten wir auch mal an ihm rütteln?

    Da kam ganz plötzlich ein starker Regen,
    für den Apfelbaum gewiß ein Segen,
    für uns war es gar nicht so schön,
    wir hätten gern noch ein bisschen den Schnee gesehn.

    Der Apfelbaum brauchte jetzt nichts mehr zu tun,
    bald konnte er wieder in der Herbstsonne ruhn.

    Neli
     

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  16. Neli

    Neli Optimistin

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    Herbst

    Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
    als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
    sie fallen mit verneinender Gebärde.
    Und in den Nächten fällt die schwere Erde
    aus allen Sternen in die Einsamkeit.
    Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
    Und sieh dir andre an: es ist in allen.
    Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
    unendlich sanft in seinen Händen hält.

    Rainer Maria Rilke
     

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  17. Neli

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    Herbst

    Sonnenblumen

    Gold und Honig, Reichtum und Süße,
    strahlende Tage sammelt der Fruchtkorb,
    wenn im Herbst Sonnenblumen
    von ragenden Stengeln sich beugen.
    In der Provence malte van Gogh mexikanische Glut,
    Opferfeuer der Blüten, Hänflinge klauben die Kerne,
    streuen sie aus für das kommende Jahr.
    Mildes Öl der Reife
    erntet am Gartenzaun auch der Chinese.

    (Richard Gerlach)
     

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  18. merre

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    Berlin
    auch ein Gedicht hab

    und los gehts:
    Im Herbst bei kaltem Wetter
    fallen vom Baum die Blätter
    Donnerwetter,
    im Frühjahr dann,
    sind sie wieder dran -
    sieh mal an.
    Heinz Erhardt
     

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  19. Neli

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    Herbst

    Schon ins Land der Pyramiden
    Flohn die Störche übers Meer;
    Schwalbenflug ist längst geschieden,
    Und die Sonne scheint nicht mehr.

    Seufzend in geheimer Klage
    Streift der Wind das letzte Grün;
    Und die Süßen Sommertage,
    Ach, sie sind dahin, dahin!

    Nebel hat den Wald verschlungen,
    Der dein stillstes Glück gesehn;
    Ganz in Duft und Dämmerungen
    Will die schöne Welt vergehn.

    Nur noch einmal bricht die Sonne
    Unaufhaltsam durch den Duft,
    Und ein Strahl der alten Wonne
    Rieselt über Tal und Kluft.

    Und es leuchten Wald und Heide,
    Daß man sicher glauben mag,
    Hinter allem Winterleide
    Lieg' ein gold'ner Frühlingstag.

    Theodor Storm
     

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  20. Neli

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    Herbst

    Feldeinwärts flog ein Vögelein
    Und sang im muntern Sonnenschein
    Mit süßem, wunderbarem Ton:
    Ade, ich fliege nun davon.
    Weit, weit, reis ich noch heut.

    Ich horchte auf den Feldgesang,
    Mir ward so wohl und doch so bang.
    Mit frohem Schmerz, mit trüber Lust
    Stieg wechselnd bald und sank die Brust.
    Herz, Herz,
    brichst du vor Wonn' oder Schmerz?

    Doch als ich Blätter fallen sah,
    Da sagt ich: Ach, der Herbst ist da,
    Der Sommergast, die Schwalbe, zieht,
    Vielleicht so Lieb' und Sehnsucht flieht
    Weit, weit, rasch mit der Zeit.

    Doch rückwärts kam der Sonnenschein,
    Dicht zu mir drauf das Vögelein,
    Es sah mein tränend Angesicht
    Und sang: Die Liebe wintert nicht.
    Nein, nein! ist und bleibt Frühlingsschein.


    Ludwig Tieck
     

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    #20 28. September 2003
    Zuletzt bearbeitet: 29. Oktober 2009