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Hang zum Perfektionismus

Dieses Thema im Forum "Entzündliche rheumatische Erkrankungen" wurde erstellt von Estelle, 27. August 2010.

  1. Estelle

    Estelle Neues Mitglied

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    Hallo ihr Lieben

    Ich hab gelesen, dass Patienten mit Fibromyalgie einen Hang zum Perfektionsmus hätten, alles besonders gut machen wollen, was zur Schmerzkrankheit beitrage und diese verstärke.

    Jetzt würde mich interessieren, ob das ev. nicht eine Folge der Schmerzen und der dabei einhergehenden Leistungsminderung ist, wo man sich vermehrt Mühe geben muss, um allem gerecht zu werden. Dann würde dieser Hang zum Perfektionsmus auch bei anderen Schmerzpatienten auffallen.

    Also: Neigt ihr zum Perfektionismus? Wenn ja, mit welcher Rheumaform?

    Ich ja - mit der Rheumadiagnose Autoimmunkrankheit im Bereich Sehnen-Gelenke.
     
  2. moni3

    moni3 Aktives Mitglied

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    hallo

    hallo estelle.ich würde sagen irgendwie ja.bin es gewohnt die wohnung immer ordentlich zu haben.selber legte ich auch wertr auf ein gutes äusseres.aber seid 7 jahren eben wegen RA ist das etwas schwieriger.weil mir nichts mehr so leicht vond er hand geht und ich für alles ne ewigkeit brauche und es geht nichts weiter.also versuche ich weniger perfekt zu sein.aber ich kämpfe damit es zu lernen.es muss nicht alles so sein,geht auch mal anders.ein harter weg damit klar zu kommen.lg.moni
     
  3. enya

    enya Mitglied

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    Hallo Estelle und Moni,
    Ja, ich bin ein wenig perfektionistisch. Bisher hatte ich nie das Gefühl, dass mir diese Macke im Weg steht. Doch seit meinem letzten Gespräch beim Psychologen habe ich das Thema genauer hinterleuchtet und festgestellt, dass mich der Perfektionismus auch dann noch antreibt, wenn ich eigentlich schon körperlich und seelisch am Ende bin. Und da tut mir diese Macke nicht mehr gut.
    Bei mir findet dieser Perfektionismus in meiner Kindheit seinen Ursprung: Als Kind hatte ich schon Schmerzen, was mir keiner glaubte, und so wurde ich immer überfordert: "Streng dich doch mal an" "Du simulierst doch" "Gut ist nicht gut genug" Und diese alte Struktur versuche ich gerade etwas abzulegen und mehr Gelassenheit anzunehmen. Aber es ist verdammt schwer!!!


    Liebe Grüße
    Enrike
     
  4. Mitchel

    Mitchel Neues Mitglied

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    Also ich hab sekundäre Fibro.Hauptdiagnose Oligoarthritis.
    Ich kann für mich sagen,daß ich auch den Hang zu Perfektionismus hab.
    Ich brauch auch alles in geordneten Bahnen.Mit kleinen Ausweichungen kann ich leben,kann aber kein Chaos und keinen hausgemachten Streß vertragen.
    hab manchmal vor lauter Bäumen den wald nicht gesehen.

    Ich mache lieber alles selbst,das gibt mir ein Gefühl der Sicherheit daß es richtig und ordentlich gemacht wurde.

    Ist manchmal schwierig,denn ich mußte lernen auch abzugeben.
    Ich kann mein Geschäft leider nicht mehr alleine führen und hab mir eine Mitarbeiterin eingestellt.Das bedeutet für mich:Loslassen.

    Aber auch das ist eine Erfahrung die nicht unbedingt negativ ist.
    Man darf sich selbst nicht zum Zentrum werden lassen,denn die Welt läuft auch ohne einen in ruhigen,geordneten Bahnen:rolleyes:
     
  5. enya

    enya Mitglied

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    @ Mitchel:
    Du sagtest, die Welt läuft auch ohne dich.
    Das spüre ich auch gerade bei der Arbeit. Wegen meiner Langzeitkrankschreibung wurde eine Ersatzkraft eingesetzt. Und das gab mir einen kleinen Stich im Herzen. Dieses Gefühl, einfach so ersetzbar zu sein, war anfangs fürchterlich. Doch dann dachte ich: Gut so, dann nervt mich die Arbeit nicht, dort so schnell wie möglich wieder antanzen zu müssen. Das Abgeben muss ich auch immer wieder lernen, und letztlich tut es gut und ist eine Entlastung für mich.

    Liebe Grüße
    Enrike
     
  6. Renate 12

    Renate 12 Neues Mitglied

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    Hallo,


    ...guter Gedanke Estelle, und darüber hab ich auch schon nachgedacht denn ich selbst bin auch jemand der hohe Anforderungen an sich selbst stellt -> geht nicht ...gibt`s nicht, und da steht mir meine Erkrankung mit all seinen Nebenwirkungen (Entzündungen, Schmerzen, Müdigkeit & Erschöpfung) doch sehr oft im Wege (so als hätte mein Organismus diese Krankheit Erfunden um mich zu Stoppen !??)

    ...ich weiß nicht ob ich ein Perfektionist bin, heute sicher weniger als früher, denn ich habe begriffen das mein Körper eventuell nach "Hilfe schreit" ...warum auch immer ????

    Bei mir kann heute auch mal was liegen bleiben ...-> läuft ja nicht weg :top:

    Liebe Grüße
    Renate 12
     
  7. Estelle

    Estelle Neues Mitglied

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    Hallo ihr Lieben

    Wie der Perfektionismus bei Fibromyalgie ev. "das Nervenkostüm" derart einzwängt und zu Schmerzen führt, bringt es mich auf folgenden Gedanken bei den Autoimmunkrankheiten: Das Immunsystem ist auf eine gewisse zu perfektionistisch, es greift sogar körpereigenes Gewebe an. Was meint ihr dazu?

    Jedenfalls habe ich so den Eindruck, dass diese Krankheit irgendwie "zu gut" auf mich passt. Ich zwinge mich zu vielen Leistungen, habe die Tendenz zu Kontrollzwang, vor allem wenn ich müde bin, kann nicht gut delegieren, bin eigentlich die totale Macherin und will immer alles perfekt und fehlerlos hinkriegen, wenn auch mit diesen hinderlichen Schmerzen, die mich dann wieder ans Bett fesseln - wo ich doch eigentlich so viel zu erledigen hätte! Und wie ich mich über meine Fehler ärgern kann, während andere das total easy nehmen, ist erstaunlich.
     
  8. Renate 12

    Renate 12 Neues Mitglied

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    @Estelle

    Du meinst das Immunsystem ist über aktiv ...und aus dieser Aktivität heraus zerstört es eigenes Gewebe ? ...ich selber halte das für sehr warscheinlich, stellt sich da nur noch die Frage warum tut es das ...!??

    Lg Renate 12
     
  9. Renate 12

    Renate 12 Neues Mitglied

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    Habe da eine Interessante Info gelesen dass man festgestellt hat, das Chromoson 7 eine Rolle spielt bei der Entwicklung von Rheuma...

    Unter Rheuma versteht man verschiedene Krankheitsbilder, die sich durch eine schmerzhafte Gelenk-Entzündung auszeichnen. Therapiert wird bisher nur das Symptom, nämlich die Entzündung. Die Ursachen liegen noch weitestgehend im Dunkeln. Die Jenaer Forscher studieren die Entzündung´s verursachenden Signalmoleküle. Unter dem Einfluss der so genannten Zytokine verändert sich die Gelenkinnenhaut.

    "Das Gleichgewicht der Signalmoleküle ist bei Patienten mit rheumatoider Arthritis gestört", erläutert Prof. Kinne. Er konnte nachweisen, dass in Bindegewebszellen der Gelenkinnenhaut von Rheumapatienten das Chromosom 7 anstatt zweimal, häufig dreimal (Trisomie 7) vorkommt. Auf dem überzähligen Chromosom befinden sich jedoch funktionell wichtige Gene, unter ihnen die erwähnten Zytokine. Ihre verstärkte Produktion könnte zur Veränderung bzw. "Entartung" der Zellen beitragen. Prof. Kinne will herausfinden, ob Trisomie 7 zur vermehrten Übersetzung der genetischen Informationen in Eiweiße führt und dadurch die Funktion der Zellen verändert.


    Könnte das bedeuten, dass CP eben doch vererbt wird?


    Also, bevor hier allgemein gültige regeln aufgestellt werden können,
    wird es wohl noch 5-10 Jahre dauern, so wurde es zumindest gesagt,
    allerdings war es hochinteressant, und verspricht in späteren Jahren
    Erkenntnisse, die jetzt einfach noch nicht vorliegen, schön war´s ja.

    Bleibt uns nur abzuwarten,
    lg Renate 12
     
  10. Renate 12

    Renate 12 Neues Mitglied

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  11. Estelle

    Estelle Neues Mitglied

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    Huhu ihr Lieben

    Die Ursache, wenn sie denn wirklich psychosomatisch ausgelöst wird, könnte in einer perfektionistischen Persönlichkeit liegen. Ist zwar bei mir auch so, dass ich in vielen Dingen auf den Luxus, perfekt sein zu wollen, verzichten muss aufgrund der Krankheit, aber die Grundhaltung könnte in der Persönlichkeitsstruktur liegen, die man ja nie wirklich ganz ablegen kann. So meine Theorie, wobei JEDE erworbene Krankheit ev. einen psychosomatischen Aspekt hat und den physischen Anteil nicht negiert. Es wären sozusagen Botschaften an den Körper, die der Körper dann umsetzt. Jedenfalls lernt man gezwungermaßen durch die Krankheit, nicht mehr so perfekt zu sein. Ob jedoch das Gehirn wirklich die perfektionistischen Botschaften an das Immunsystem einstellt, bleibt fraglich. Ist ev. wie bei einem trockenen Alkoholiker. Natürlich ist das nur Spekulation, aber wer weiß ...

    Habt ihr den Artikel gelesen, wo steht, dass Antialkoholiker eher zu RA neigen? Ich bin auch Nichtalkoholikerin und jede Art von Drogen und damit Kontrollverlust ist mir verhasst. Das würde auch zu diesem Perfektionismus passen, der dem Fibromyalgie zugeschrieben wird.

    Ich für meinen Teil weiß schon, weshalb ich derart perfektionistisch bin. Meine Kindheit war sehr unstabil. Ich konnte mich nur auf mich selbst verlassen. Am Ende verließen sich alle auf mich. Ich durfte nicht versagen, musste perfekt sein. Ich durfte nie krank oder schwach sein. Ich habe mir das Kranksein verboten, so wie Frontsoldaten gesund blieben, bis sie heimkehrten und krank sein durften. Eigentlich darf ich auch jetzt nicht krank sein. Im Grunde genommen kann sich das niemand mehr leisten. Doch der Körper holt sich das einfach. So muss ich für jede Überanstrengung bezahlen mit einem Schmerzschub.
     
  12. enya

    enya Mitglied

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    Hallo Estelle,
    das Gefühl nicht krank sein zu dürfen, kenne ich zu gut. Und ausgerechnet ich, die immer die Fäden in der Hand haben möchte und agieren möchte und sich verantwortlich fühlt, fällt nun für ein paar Monate bei der Arbeit aus (leichter Burnout). Das ist anfangs für mich undenkbar gewesen. Doch nun, nach 8 Wochen zu Hause, fühle ich mich frei, fast unbeschwert, Schmerzen kann ich gelassener hinnehmen, und ich kann viele Dinge einfach mal liegen lassen. Ich ertappe mich dabei, schon wieder etwas zu planen und muss mich zwingen, wieder zur Ruhe zu kommen. Aber es geht. Und es tut GUT!
    Es ist eine ganz neue Lebenserfahrung. Und die Fibro findet das gut, macht sich weniger bemerkbar.
    Lieben Gruß
    Enrike
     
  13. Mugla1

    Mugla1 Neues Mitglied

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    Moin,
    ich hab Fibro und ich muß sagen das ich zum Perfektionismus geneigt habe .( leider immer noch neige ich ertappe mich jeder tag wieder dabei)
    Das macht es mir auch noch so schwer mich mit meiner Krankheit " an zu freunden " .
    So lange ich denken kann bin ich eine Einzelkämpferin gewesen und ich brauchte nichts und niemanden der mir bei irgendwas hilft und fragen nach Hilfe wurde garantiert nie in Betracht gezogen![​IMG]Auch war ich vom ersten Hahnenschrei bis spät in die Nacht am herumwirbeln,gegessen habe ich nebenbei Pausen gab es nicht.Ich war mein eigener Sklaventreiben so in Nachherein gesehen.[​IMG]
    Auch heute noch fühle ich mich in Bewegung am Wohlsten.Einfach nur sitzen und nichts tun gibt es nicht geht nicht.ABER! ich habe mich schon soweit das ich zum Essen sitze:top: und ich, auch wenn ich nun Arbeitslos bin mir sagen kann so ab 17 Uhr ist Feierabend und ich setzt mich hin und bastel rum.Und ich versuche am Wochenende nur das Nörigste zu machen und den rest einfach nur mit Weiß ich basteln, lesen Badewanne etc zu verbringen,auch wenn die Bude grauenhaft aussieht.
    Ich muß sagen das bekommt mir sehr gut auch wenn ich mich immer wieder daran erinnern muß.

    Ansonsten ist mein Körper ein perfektes Barometer und zeigt mir sofort an wie es mir psychisch geht.Eigendlich kann ich ihn oft fast " wörtlich nehmen" Es schlägt mir auf den Magen,[​IMG]lastet schwer auf den Schultern,stößt sauer auf,......( nur schwarz ärgern habe ich noch nicht hin bekommen:p)

    Ich bin mitlerweile dazu über gegegangen mich erst einmal zu fragen was tut gerade weh wie steht es in Verbindung mit meiner Gefühlswelt und das Wichtigste was will ich damit erreichen!
    Nicht das die Antworten die Schmerzen wegzaubern aber sie helfen mir besser mit mir um zu gehen [​IMG]

    Wünsche euch ein schönes schmerzfreies Wochenende
     
  14. Boo

    Boo Neues Mitglied

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    Liebe Renate12,

    vielen Dank für die von dir gepostete Seite. :top:

    Auch die Ausführung von Prof. Kinne scheint mir sehr schlüssig.

    Liebe Grüße
    Boo:D