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Gibt es eine cP-Persönlichkeit?

Dieses Thema im Forum "Entzündliche rheumatische Erkrankungen" wurde erstellt von Monsti, 12. Januar 2005.

?

Vor Ausbruch meiner cP war ich ...

  1. jemand, der nicht "nein" sagen konnte

    81 Stimme(n)
    73,0%
  2. ausgesprochen ehrgeizig

    47 Stimme(n)
    42,3%
  3. perfektionistisch

    63 Stimme(n)
    56,8%
  4. besonders ordentlich

    34 Stimme(n)
    30,6%
  5. "Hans Dampf in allen Gassen"

    26 Stimme(n)
    23,4%
  6. gnadenlose(r) Genießer(in)

    16 Stimme(n)
    14,4%
  7. besonders konzentrationsfähig

    60 Stimme(n)
    54,1%
  8. ein Arbeitstier

    58 Stimme(n)
    52,3%
  9. abhängig von der Anerkennung anderer

    40 Stimme(n)
    36,0%
  10. ein Faultier

    2 Stimme(n)
    1,8%
  11. eher schlampig/nachlässig

    5 Stimme(n)
    4,5%
  12. viel zu sehr auf das Wohl anderer bedacht

    68 Stimme(n)
    61,3%
  13. ziemlich egoistisch

    2 Stimme(n)
    1,8%
  14. oft mit mir selbst unzufrieden

    53 Stimme(n)
    47,7%
  15. genauso wie heute auch

    18 Stimme(n)
    16,2%
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  1. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo zusammen,

    angeregt durch die gerade aktuelle Fibro-Diskussion wäre es vielleicht mal interessant zu wissen, inwieweit es tendenziell Ähnlichkeiten der cP-Charaktere gibt (ähnlich wie "Krebs-Persönlichkeit" oder "Gastritis-Typ").

    Bei den folgenden Fragen sind Mehrfachnennungen möglich.

    Bin echt gespannt, was rauskommt, also haut fleissig in die Tasten!
    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  2. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hi alle,

    es haben noch nicht einmal 20 User an der Abstimmung teilgenommen, aber die Tendenz ist schon jetzt eindeutig. Interessant, denn ich selbst finde mich da natürlich ebenfalls wieder.

    Bin wirklich gespannt, wie es weitergeht - ganz bestimmt nicht nur ich ;).

    Übrigens finde ich es super, dass Ihr ohne weiteren Kommentar abstimmt. Damit bleibt die Umfrage völlig anonym. Falls Euch aber ein wichtiger fehlender Punkt einfällt, äußert Ihr Euch bitte. Bin ja auch nur eine Otto-Normalerin.

    Macht weiter so, wusste doch, dass Ihr alle super seid!

    Liebe Grüße vom
    Monster

    P.S. Interessant wäre jetzt natürlich auch, die gleiche Abstimmung unter u.a. SLE-, MB-, PSA- und Fibro-Betroffenen zu starten, um zu sehen, ob es deutliche Unterschiede gibt.
     
  3. Lela

    Lela Neues Mitglied

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    autoaggression

    hi monsti,


    ja das ist in der tat interessant. hmm ich glaube ich hab auch ma was aufgeschnappt hier sogar? von einer studie über zusammenhang von sex. missbrauch und rheuma. das gäbe insofern sinn, da viele missbrauchsopfer autoaggressiv werden, also cutten etc. und das sich ja auf den körper übertragen könnte.

    bei mir war kurz vor rheumaausbruch so, dass ich mich autoaggressiv fühlte, hab zwar nie gecuttet oder sowas, aber ich hatte durch meine grunderkrankung einen kurzweiligen selbsthass aufgebaut, da die erkrankung mir beinahe mein studium kaputtmachen wollte. soll heißen ich war sauer, dass der körper nich funktionierte und wieder etwas in meinem leben kaputt machen wollte und hätte mich dafür gerade selbst schlagen können... anstatt zb. nach außen aggressiv zu werden oder sonst zu reagieren, nein ich wurde autoaggressiv..kurz darauf begann meine autoimmune augenentzüdung.

    ich hatte mich zuvor im leben nie autoaggressiv gefühlt oder mich selbst gehasst..

    evlt. alles zufall.. ich hab echt keine ahnung, aber seltsam ist es schon.

    lela
     
  4. KayC

    KayC Stehauffrauchen

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    ich hab mal in einem anderen Forum genau zu diesem Thema was geschrieben, ich setz es einfach mal rein. Ich konnte hier leider allerdings nicht abstimmen, weil ich keine cP habe.


     
  5. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo Katharina,

    genau ... den Punkt des tiefsitzenden "Selbsthasses" hatte ich in der Umfrage vergessen.

    Auch meine Kindheit war nicht einfach. Ich hatte immer das Gefühl, mir die Liebe und Akzeptanz meiner Eltern mühsam verdienen zu müssen. Das Gefühl, einfach nur um meiner selbst geliebt zu werden, hatte ich nur erlebt, wenn ich krank war. Dazu kamen noch diverse Umzüge und damit Kindergarten- bzw. Schulwechsel. Eine andere Schwester sagte vor längerem zu mir: "Wir sind körperlich und seelisch misshandelt worden." Im Verhältnis zu den Eltern spielte Angst die Hauptrolle - zumindest gilt dies für mich, als älteste von 6 Kindern.

    Auch ich neig(t)e zur Selbstzerstörung: Ich z.B. riss mir in Konfliktphasen büschelweise die Haare raus, je mehr es weh tat, um so besser. Ich hämmerte mit meinem Kopf gegen die Wand, bis ich umfiel. Auch ich war lange in Therapie und auch in einer psychosomatischen Klinik. Diagnose: "Chronifizierte posttraumatische Belastungsstörung", die mich lt. Docs für den Rest meines Lebens begleiten wird. Zum Glück habe ich sie seit ca. 5 Jahren soweit im Griff, dass mich die Flashbacks nicht mehr überrumpeln.

    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  6. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    hi,

    das ist eine sehr interessante umfrage, an der ich gleich teilgenommen
    habe.
    ich erinnerte mich daran, dass wir so eine umfrage schon
    einmal hatten, sehr interessant - auch wenn ich mich wiederhole -
    und füge die entsprechenden links ein, ich hoffe, monsti hat nichts
    dagegen, dass ich auf diese umfrage hinweise.

    von humania 6.6.03

    http://rheuma-online.de/phorum/showthread.php?t=6939&highlight=Rheumacharakter

    und 9.6.03
    http://rheuma-online.de/phorum/showthread.php?t=6980&highlight=Umfrage

    herzliche grüße
    marie
     
  7. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo Marie,

    ja, ich erinnere mich an die beiden Threads. Vielen Dank, dass Du sie herausgekramt hast. Leider kam damals in der Diskussion z.T. sehr destruktive Stimmung auf, so dass ich halt dachte, jetzt mal eine "richtige" Umfrage, d.h. mit der Möglichkeit der anonymen Stimmenabgabe, sei sinnvoller. Nachteil dieser Methode: die vorformulierten Antwortmöglichkeiten.

    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  8. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo diggimac,



    Ich meine, das passt. Auch Deine Schlussfolgerung erscheint mir sehr logisch.

    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  9. Mira

    Mira Neues Mitglied

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    Hallo Monsti,

    bei mir kam das Rheuma schleichend. Es begann eigentlich erst sich nach einer schweren Diabetes-Erkrankung meines Sohnes, die mich die ersten 2 Jahre sehr beanspruchte, stark zu verschlimmern. Ich hatte damals keine Zeit mich um mich selbst zu kümmern (das war vielleicht ein klein wenig Selbstaufopferung).
    Als ich irgendwann dann gar nicht mehr laufen konnte, war ich dann aber auf einmal gezwungen umzudenken und etwas zu ändern. Seit der Diagnose Polyarthritis achte ich doch auch etwas mehr auf mich selbst.

    Mira
     
  10. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo Mira,

    bei mir hat sich im Verlauf meine Erkrankung auch sehr viel verändert. Bei der Befragung ging es mir vor allem darum, wie wir VOR der Erkrankung waren. Das bisherige, wie ich meine, ziemlich eindeutige Ergebnis, zeigt mir, dass u.a. ich verdächtig perfekt in die cP-Schublade passe, auch wenn mir das nicht auf allen Ebenen gefällt. Aber wir sollten ja ehrlich gegenüber uns selbst sein, oder? Eine anonyme Befragung ermöglicht es ja auch etwas leichter.

    Heute bin ich ganz klar egoistischer als früher, kann Dinge auch einfach mal laufen lassen, ohne meinen vermeintlich unentbehrlichen Einfluss. Sie laufen natürlich trotzdem, und zwar genauso gut wie mit meiner Mitwirkung. Ich kümmere mich nicht mehr um jeden und alles, sondern kümmere mich auch einfach mal um meine eigene Zufriedenheit und meinen inneren Frieden. Vor Ausbruch der cP wäre das unmöglich gewesen. Ich glaube, ich bin immer noch engagiert, aber inzwischen wirklich eher dosiert bzw. gezielt. Soweit es mir selbst halt gut tut.

    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  11. Monsti

    Monsti das Monster

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    Öhm, langsam beängstigt mich das vorläufige Ergebnis ... das ist ja irre!!!

    Ich freu mich, dass ich hier nicht so ganz allein bin, echt, Euch anderen geht es doch sicher ähnlich, oder??? Boaaah :D

    Grüßle von
    Monsti
     
  12. trombone

    trombone die Schreibtischtäterin

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    hallo,

    ich kann - ebenfalls wie KayC - nicht wirklich an der Umfrage teilnehmen, da bei mir ja MB diagnostiziert wurde. Ich habe mir zu diesem Thema so meine Gedanken gemacht. Ich bin als 5. Kind geboren - drei meiner Geschwister leben noch, meine eine Schwester ist im Alter von 1,5 Jahren an einer Darmverschlingung gestorben (da das 1963 war, habe ich sie verständlicherweise auch nie kennengelernt). Auch ich war als Kind sehr häufig krank, so dass sich meine Eltern - verständlicherweise - in diesen Zeiten sich sehr um mich gekümmert haben. Meine ersten Rheuma-Probleme (wenn ich sie mal so nennen darf - Diagnose 2002/03) sind so mit 15 Jahren aufgetreten (Sehnenscheidenentzündung). Es folgten mehrere Jahre in denen immer mal wieder div. Sehnenentzündungen auftraten und ab 1985 kam dann auch noch das Kiefergelenk dazu (und das ganz massiv). 2000 hatte ich dann ja meinen tollen "Auftritt" auf dem Hannoveraner Bahnhof, der mir in der Folge 6 OP's und zusammengerechnet 3-4 Monate KH einbrachte. Danach ging es dann so richtig ab ... Bis zum Frühjahr 2002 wo ich dann - unter massiven Druck - einen Termin in der Rheumaambulanz gemacht habe. Das Ergebnis ist dann ja wohl bekannt.
    Klar die Disposition war mit Sicherheit schon vorhanden. Liegt ja auch in der Familie (Mutter und Schwester meines Vater litten/leiden an CP), aber ich denke mal, dass der Unfall und die anschließenden Sorgen und Probleme die eigentliche Ursache zum Ausbruch der rheumatischen Erkrankung darstellen (auch wenn die Rheuma-Docs als Erstmanifestation die Mitte der 80. angeben). Auch kann ich mehrere Punkte, die einen Bechti charakterisieren sollen - in meiner Person wiederfinden. Von daher glaube ich schon, dass bestimmte Persönlichkeiten, Charaktere eher zu bestimmten Krankheiten neigen als andere (oder ist es vielleicht umgekehrt, dass man aufgrund der Erkrankung so wird???).
     
  13. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    @trombone

    ich finde, du kannst ohne weiteres teilnehmen:)
    du schreibst:
    Von daher glaube ich schon, dass bestimmte Persönlichkeiten, Charaktere eher zu bestimmten Krankheiten neigen als andere (oder ist es vielleicht umgekehrt, dass man aufgrund der Erkrankung so wird???).

    das allerdings könnte ich mir auch gut vorstellen!

    zu mir, ich bin durchaus relaxter geworden, sehe alles nicht mehr so
    verbissen, weil ich mich fragen muss: was soll's? was bringt's denn letztendlich? doch nur stress. und den kann ich nicht brauchen. (wir alle nicht.) den rest meines lebens möchte ich nach möglichkeit so angenehm
    wie möglich verbringen - denn wer weiss, was alles noch kommt, nicht wahr?


    um mit nina ruge zu sprechen:
    alles wird gut!
    marie:)
     
    #13 14. Januar 2005
    Zuletzt bearbeitet: 22. März 2007
  14. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo Marie,

    bei mir hat sich seit Ausbruch der cP auch viel verändert. Wenn ich mir so das bisherige Umfrageergebnis anschaue, passe ich geradezu perfekt in die cP-Schublade, was die Zeit VOR dem Ausbruch betrifft. Ich oute mich: Heute bin ich eher nachlässig bis schlampig, ein Faultier, eine Genießerin, gnadenlos vergesslich, nur noch kurzzeitig konzentrationsfähig, und das "nein" sagen habe ich endlich gelernt. D.h. ich bin auch egoistischer geworden, und das bekommt mir außerordentlich gut. :D

    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  15. bise

    bise Neues Mitglied

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    ich glaube, ich werde erst eine rheumi-persönlichkeit - leider - die umstände zwingen mich dazu.

    hatte schöne kindheit, mir fehlte es an nix, meine eltern waren sehr lieb zu uns kindern, sie sorgten sich um uns und taten alles, um uns das leben so angenehm wie möglich zu machen. arm aber glücklich. ich war nie kontaktarm, wusste mir und anderen immer zu helfen, hatte gute laune und nahm fast nix übel. misserfolge hatte ich natürlich; doch die brachten mich nicht aus dem gleichgewicht.
    die krankheit hat mich verändert. ich muss aufpassen. meine strahlende laune und mein optimismus haben mir geschadet. ich wurde überhaupt nicht ernst genommen.
    folglich erhielt ich jahrelang keine basistherapie und meine gelenke wurden zerstört. heute bin ich ein pflegefall. jetzt hilft mir mein optimismus und mein sonniges gemüt. ich gebe nicht auf. doch ich habe begriffen, dass ich mich durchsetzen und mehr auf mich achten muss. ich kann auch frech, ironisch und manchmal äusserst unangenehm werden. das überhören haben mir docs vorgemacht, heute beherrsche ich das auch. wenn man krank und hilflos ist, muss man lernen "nein" zu sagen und egoistisch zu werden. das ist ein schwieriger prozess, den ich immer noch nicht gewonnen habe, doch gewinnen will.
    gruss
    bise
     
  16. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo bise,

    wenn ich mir das Ergebnis der Umfrage und Deinen Bericht so durchlese, denke ich: Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Natürlich kann man eine cP-Persönlichkeit samt ihrer typischen Vorgeschichte nicht verallgemeinern. Immerhin können schon Säuglinge Arthritis bekommen, da kann man bestimmt nicht mit irgendwelchen Vorgeschichten kommen. Also spielen andere Faktoren ebenfalls eine Rolle.

    Aber auffällig eindeutig ist das bisherige Ergebnis der Umfrage doch schon, findest Du nicht? Ich finde es geradezu beängstigend treffend, obwohl in den älteren Threads zu diesem Thema im Grunde ja auch nichts anderes herausgekommen ist ...

    So, ich geh jetzt schlafen. Auch Dir und allen anderen eine gute Nacht!
    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  17. bise

    bise Neues Mitglied

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    bei Frau Antje
    hallo Monsti,
    mein leben war nicht anders als all das der anderen betroffenen. es kommt immer auf die sichtweise an. ich habe nicht gelitten als kind und jugendliche. ich war zufrieden mit dem, was ich hatte. das war objektiv sehr, sehr wenig gewesen. ich hatte keine wahl, sicherlich wollte ich auch vieles nicht wahrhaben. ich war genügsam und immer zufrieden mit allem.
    jemand hat mir mal vor jahren gesagt, meine krankheit - das sjögen syndrom - sei ein ausdruck meines lebens. ich hätte mich nach dem licht gestreckt und sei dabei verdurstet. wahrscheinlich hat er sogar recht.
    ich konnte mir nie leisten, schlechte laune zu haben - also war ich immer gut drauf. im unterbewusstsein bin ich dabei sicherlich in manchem zu kurz gekommen.
    meine krankheit kam schleichend. niemand wollte sie wahrhaben. pötzlich brach sie dann aus; in der zwischenzeit waren bereits meine gelenke ruiniert. niemand hat es gemerkt. erst heute weiss ich, dass ich mir den verlust der schmerzempfindlichkeit antrainiert
    habe. insoweit war ich sicherlich eine ganz typische cp patientin. statt aufzumucken, als die docs meine "befindlichkeitsstörungen" ins lächerliche zogen, gab ich mich mit deren auskunft zufrieden. für viele eine bequeme lösung - leider nicht für mich.
    später gingen ops schief; immer wurschtelte ich mich durch. ich lebte nach dem motto: lerne zu leiden ohne zu klagen. insoweit ganz typisch für cp persönlichkeit.
    erst seitdem ich alles verloren habe, nur noch gewinnen kann, bin ich resolut. ich habe immer noch gute laune, es ist mir gleichgültig, was andere denken. ich gehe den weg, den ich als richtig für mich halte, ohne dabei andere verletzen zu wollen. doch wehe, es tritt mir heute jem. auf die füsse, dann schreie ich. ich sage dann, was ich denke.
    gruss
    bise
     
  18. bise

    bise Neues Mitglied

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    bei Frau Antje
    also "ehrlich" war ich immer. ich habe nie gelogen und lüge auch heute nicht. die wahrheit ist einfacher. lügen muss man im hinterkopf behalten, sonst kommen sie raus. das ist und war mir immer zu anstrengend.

    und ehrlich:
    ich könnte gut und gerne auf die cp und die damit verbundenen einschränkungen in der mobilität etc verzichten.
    ich wäre gerne so gesund wie mein umfeld. liebend gerne möchte ich noch berufstätig sein und vieles andere mehr.
    was ich jetzt mitmachen muss, das ist bedeutend anstrenger, stressiger, nervtötender: der permanente clinch mit docs wegen rezepten; mit kk wg. genehmigung für alles mögliche; mit den fremden hilfen, die ich löhnen "darf" , denen ich mich hilflos "ausgeliefert" fühle und die sehr unzuverlässig sind; kurz: der andauernde kampf ums überleben.
    mein jetziges leben ist kein zuckerschlecken. es ist bedeutend härter und gnadenloser als mein leben als gesunde . ich kann mir durchaus besseres, schöneres, angenehmeres vorstellen.
    ich würde mit jedem gesunden gerne tauschen. das ist utopia. ein traum, der nie in erfüllung gehen wird. ich habe keine andere wahl. ich muss annehmen, was das schicksal mir auferlegte. ich empfinde das als äusserst unbillig und nicht gerecht. mein jetziges los habe ich weder verschuldet noch verdient.
    gruss
    bise
    bise
     
  19. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo bise,

    ich glaube, das mit der "Ehrlichkeit" ist anders gemeint. Kann jetzt nur ein kleines Beispiel aus meiner eigenen Entwicklung nennen:

    Jahrzehntelang glaubte ich "ehrlich", ich müsse stets perfekt sein, müsse es allen recht machen und dürfte mir keine groben Schwächen erlauben. Inzwischen sehe ich (u.a. dank der Erkrankungen) ebenfalls "ehrlich" ganz andere Schwerpunkte und Ziele, womit ich glaube, mich eher meinem wirklichen ICH genähert zu haben. Selbst dann, wenn ich auf der Stelle wieder gesund wäre, wollte ich meine frühere Lebenseinstellung nicht mehr zurückholen. Mein früheres Gefühl, mich unentbehrlich machen zu müssen, war im Nachhinein betrachtet ein Selbstbetrug, eine Art Ersatzbefriedigung für etwas, was ich noch nicht für mich gefunden hatte. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, war ich damit keineswegs zufriedener als heute - eher ist das Gegenteil der Fall.

    Liebe Grüße von
    Monsti
     
  20. bise

    bise Neues Mitglied

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    oh diggimac, so hab ich das auch nicht verstanden.
    ich wollte dir nicht auf die füsse treten. sorry.

    ich wollte nur klarstellen, je stärker die krankheit desto mehr verändert sich die persönlichkeit. ob zum besseren oder schlechteren - das sei hier dahin gestellt. manchmal empfindet man sich ganz anders als die personen im engeren umfeld.
    mein anliegen ist, ausserhalb des betroffenen-kreises für verständnis für uns und unsere belange zu werben. betroffene bedürfen der akzeptanz in der "gesunden" bevölkerung. denn schmerzen und einschränkungen sind nach aussen nicht sofort sichtbar bzw. erkennbar..
    das problembewusstsein sollte endlich geweckt werden.
    erst dann haben betroffene eine möglichkeit, sich so zu verhalten und zu entwickeln, wie sie möchten und nicht, wie sie müssen, um mit dem alltag fertig zu werden.
    also bise? (la bise, franz . fam der kuss - davon habe ich nämlich seit jugendtagen meinen nick)
    gruss
    bise