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Euro-Lupus-Nephritis-Trial

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von gisipb, 8. Oktober 2003.

  1. gisipb

    gisipb Neues Mitglied

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    Aktuelles aus der Fachliteratur

    Arthritis Rheum 46: 2121-31, 2002
    Immunosuppressive therapy in lupus nephritis: the Euro-Lupus Nephritis Trial, a randomized trial of low-dose versus high-dose intravenous cyclophosphamide.
    Immunsuppressive Therapie der Lupus-Nephritis - Der Euro-Lupus-Nephritis-Trial: eine randomisierte Studie zum Vergleich low-dose vs. high-dose Cyclophosphamid i.v.
    F. A. Houssiau, C. Vasconcelos, D. D' Cruzetal.

    Zusammenfassung

    Studienziel: Vergleich der Effizienz und Toxizität von low-dose vs. high-dose Cyclophosphamid i.v. als Remissions-induzierende Therapie der Lupus-Nephritis mit anschließender Remissions-erhaltender Therapie mit Azathioprin.

    Studiendesign: Es handelt sich um eine prospektive Multizenter-Studie, die zwischen 1996 und 2000 insgesamt 90 Patienten in 19 europäischen Studienzentren einschloss.

    Therapie: Remissionsinduktion mit Cyclophosphamid. Dabei wurden die Patienten in zwei Studienarme randomisiert. In beiden Studienarmen erhielten die Patienten initial für 3 Tage 750mg Prednisolon/T, gefolgt von 0.5mg/kg KG für 4 Wochen und anschließend eine ausschleichende Dosierung bis zu einer Erhaltungsdosis zwischen 5 und 7.5mg/T.
    1. high-dose-Arm: insgesamt 8 Cyclophosphamid-Stöße innerhalb eines Jahres (erste 6 monatlich, anschließend 2 vierteljährlich); initial 500mg/m² , danach Dosissteigerung um jeweils 250mg/m² entsprechend Leukozytennadir; max. 1500mg.
    2. low-dose-Arm: insgesamt 6 Cyclophosphamid-Stöße alle 4 Wochen mit 500 mg absolut. Zur Remissionerhaltung wurde Azathioprin in einer Dosierung von 2mg/kg KG 2 Wochen nach letzter Cyclophosphamid-Gabe eingesetzt.

    Als primärer Studienendpunkt wurde ein Therapie-Versagen definiert, sekundäre Endpunkte waren die Kinetik des Ansprechens im ersten Jahr, die renale Remission sowie die Anzahl schwerer Krankheitsschübe.

    Ergebnisse: Der Vergleich beider Studienarme lieferte hinsichtlich Therapieversagens, Kinetik des Ansprechens (klinisch-serologischer Verlauf), Auftreten akuter Krankheitschübe sowie hinsichtlich renaler Remission bzw. Verschlechterung keine signifikanten Unterschiede. Die mittlere Summendosis Cyclophosphamid betrug 8.5 ±1.9g (high-dose) vs. 3g (low-dose).

    Fazit: Die niedriger-dosierte Gabe von Cyclophosphamid (500mg abs.) stellt im untersuchten Patientenkollektiv eine effektive Therapie zur Behandlung der proliferativen Lupus-Nephritis dar. Im niedriger-dosierten Therapiearm zeigte sich kein höheres Risiko für ein Therapieversagen. Praktischer Vorteil der niedriger-dosierten Gabe von Cyclophosphamid ist die kurze Infusionsdauer (30 Minuten) ohne notwendige Antiemese und forcierte Diurese. Aufgrund der niedrigeren Summendosis von Cyclophosphamid resultiert möglicherweise eine Reduktion der kumulativen Langzeit-Toxizität.



    Kommentar

    In Anbetracht der Tatsache, dass beim Systemischen Lupus erythematodes in ca. der Hälfte aller Fälle im Laufe der Erkrankung eine behandlungsbedürftige Nierenbeteiligung auftritt, stellt diese Studie einen wichtigen Beitrag zur Evaluation sogenannter Standard--Therapien dar. Seitdem das sog. NIH-Regimen seine Überlegenheit bei der Behandlung der proliferativen Lupus-Nephritis gegenüber Glucocortikoiden gezeigt hat, tauchen immer wieder kritische Stimmen auf, die die Notwendigkeit einer solchen vergleichsweise "aggressiven" Therapie in Zweifel ziehen. Hintergrund ist zum einen die noch nicht ausreichend belegte Überlegenheit gegenüber anderen Therapieschemata, zum anderen auch die hohe Toxizität, insbesondere hinsichtlich schwerer Infektionen und Ovarialinsuffizienz. Insofern liefert die vorliegende Studie (bei allerdings geringen Fallzahlen) erste Hinweise, dass auch eine niedriger-dosierte Gabe von Cyclophosphamid mit gleicher Effektivität durchgeführt werden kann. Hervorzuheben ist, dass sich bei gleicher Effektivität die Cyclophosphamid--Gesamtdosis beträchtlich unterscheidet (8.5 ± 1.9g vs. 3g), was insbesondere bei Patienten mit jahrelanger, starker Immunsuppression oder wiederholter Endoxan-Applikation von Bedeutung ist. Obwohl noch keine Langzeit-Daten vorliegen, ist anzunehmen, dass sich eine niedrigere Endoxan-Dosis in einer Reduktion der kumulativen Langzeit-Toxizität widerspiegeln wird.

    Kritisch anzumerken ist, dass sich die Daten dieser Studie nicht direkt mit der NIH-Studie, auf die sich der bisherige Therapie-Standard bezieht, vergleichen lassen, da sich die Patientenkollektive, insbesondere hinsichtlich des Anteils schwerer Nierenbeteiligungen unterscheiden. Insofern liefern die vorliegenden Daten aber Hinweise dafür, dass die Behandlung der LupusNephritis eine differenziertere Therapieentscheidung verlangt. Für die Praxis könnte man daraus schlussfolgern, dass in "milderen" Fällen eine weniger aggressive Therapie gerechtfertigt ist.

    Dr. C. Lohmüller
    Med. Klinik u. Poliklinik II, Tübingen


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