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Bin nach drei Monaten Rheuma wieder gesund

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von wiedergesund, 24. November 2006.

  1. wiedergesund

    wiedergesund Neues Mitglied

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    24. November 2006
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    Hallo,
    das soll mein einziger Beitrag bleiben. Nach so viel Trost und Wissen, dass ich hier durch das Lesen der vielen Beiträge bekommen habe,ist es ganz fair auch mal über sehr glückliche Verläufe zu schreiben. Also ich bin w und 23 J alt.
    Ich bekam im Februar diesen Jahres starke Zahnschmerzen, wo man sich nicht sicher war, ob es eine Wurzelentzündung war. Da die Schmerzen immer wieder weggingen, wurde diese erst im April Wurzelbehandelt. In der Zeit nahm ich zum ersten mal leichte Gelenkschmerzen in Knöcheln und Knien wahr, aber ich achtete kaum drauf.
    Die Schmerzen im Kiefer wurden immer stärker und es war ein hin-und her gerenne zwischen Zahnarzt und Zahnklinik und keiner wollte ihn ziehen.
    Als er dann doch gezogen wurde im Juni, waren die Schmerzen in den Gelenken schon sehr, sehr stark und fast überall auch in den kleinen Fuß- und Handgelenken und gingen unter Ibuprofen kaum mehr weg. Ich vermutete einen Zusammenhang, aber konnte es selbst kaum glauben. Zum ersten Mal ging ich deswegen zum Hausarzt, der stellte aber überhaupt kein CRP/BSG fest. Eine Woche später konnte ich vor Schmerzen kaum mehr laufen, alles brannte, ich konnte meine Finger kaum mehr krümmen und wollte, weil es wehtat nicht berührt werden auf der Haut. Ich habe vor Schmerzen nur noch geheult, es fühlte sich wirklich schubartig an. Der Kiefer tat immer noch weh. Inzwischen hatte ich schon 10 Tage Clindamycin als Antibiotikum für den Zahn.
    Ich wurde notfallmäßig in eine Münchner Rheumaklinik aufgenommen und die haben sich rührend um mich gekümmert und alles diagnostiziert, was ging. Es wurde auf etliche Bakterien und Viren, auch Borrellien untersucht und gleich eine Blutkultur und Szintigraphie gemacht. Und das nur, weil mein CRP nun leicht auf 0,55 g/l erhöht war (norm <0,5) und BSG auf 20 mm. Aber schon am nächsten Tag war es wieder auf 0 und die Gelenke waren nicht geschwollen oder gerötet, nur die Sono gab etwas Flüssigkeit in den Handgelenken an. Ich wurde trotzdem ernst genommen und alle haben mir voll geglaubt, wenn ich all das hier bei euch lese, hatte ich da echt Glück.
    Die Therapie in der Woche im Krankenhaus bestand aus Eis und 2 mal 75 mg Voltaren am Tag und Magenschutz, aber sie half nur begrenzt. Vor allem Nachts wurden die Schmerzen stärker und man spürte immer, dass sie von den Schmerzmitteln nur schlecht verdeckt werden. Deshalb wurde zur Entlassung trotz negativer Szintigrafie eine Stoßtherapie Cortison für 14 Tage mitgegeben mit 60 mg Anfangsdosis. Man muss dazu sagen, dass ich selber Medizin studiere und mit den Ärzten deshalb auch relativ gut klar kam und wir ganz offen über verschiedene, auch aggressive und frühzeitige Therapien redeten.
    Das Cortison half sehr gut, die Schmerzen waren zum ersten mal weg, ehrlich gesagt kamen sie aber auch immer wieder für ein paar Stunden am Tag, vor allem Nachts und beim runterdosieren.
    Inzwischen wurde in der Zahnklinik festgestellt (per MRT), dass die Entzündung des gezogenen Zahns schon den Kiefer und die Kieferhöhle durchbrochen hatte und immer noch aktiv war. Das heißt, das Zahnziehen brachte gar nichts. Es war eine Osteomyelitis. Nach absetzen des Cortisons waren die Gelenkschmerzen wieder da, aber nie wieder so stark wie vorher. Es wurde operiert und jetzt kommts, ich bekam wieder Clindamycin und diesmal gingen darunter und mit der OP schlagartig die Gelenkschmerzen fast ganz weg. Für ca. 10 Tage. Nur noch ein paar Finger schmerzten ganz schwach.
    Es war dann deprimierend, als nach dem Absetzen des ABs schon ca. 4 Tage später die Schmerzen wieder anfingen und ich wieder kaum laufen konnte wegen den Knien. Die Schmerzen waren nie wieder so stark, dass ich unbedingt Schmerzmittel brauchte. Ich war aber völlig zermürbt und hang echt nur noch in Internetforen, was es denn sein könnte und ob ich jetzt damit mein ganzen Leben rumlaufen müsste. Ein Monat waren sie vielleicht noch voll und deprimierend und Tag und Nacht da. Aber wie in Zeitlupe und kaum merklich wurden Sie immer weniger, nach 2 Monaten war ich sicher, dass Sie wirklich zurückgehen, also war nach insgesamt 3 Monaten das allerschlimmste, wirkliche Rheuma vorbei. Es wurde noch einmal nachoperiert, weil etwas übersehen wurde und ich bekam noch 10 Tage Ciprofloxacin und einmal 7 Tage Augmentan wegen des Zahnes.
    Ab mitte Oktober waren die Schmerzen wirklich auf Null angekommen und kamen nie wieder. Heute kann ich kaum mehr glauben, dass da echt mal was in meinen Gelenken war. Im August konnte ich kaum glauben, dass ich früher mal immer schmerzfrei war und all die Leute um mich herum wirklich keine Gelenkschmerzen haben, ob die das überhaupt zu schätzen wissen.
    Die Schmerzen waren wirkliche, tiefsitzende und mit der Zeit tief verzweifelnde Gelenkschmerzen, es muß irgeneine Rheumaform gewesen sein. Die Ärzte meinten Reaktive Arthritis, auch wenn man es nie nachweisen konnte.
    Ich habe in den Monaten zum Verarbeiten soviel Bücher gelesen, viele Philosophen und auch klassische Romane. Und die Bibel. Ich glaube inzwischen echt an Gott. Und dafür bin ich dankbar. Ich weiß heute, dass ich keine Probleme habe und dass ich alles ihm zu verdanken haben, den guten Stern über mir sozusagen. Dass ich wieder gesund bin, wo ich Monate vorher vor Schwäche und Schmerzen kaum laufen konnte verdanke ich irgendwas im Leben, dass meine verzweifelten Gebete, egal zu wen, erhört hat und mich vor einer chronischen Krankheit schützte. Und den Ärzten, vor allen denen auf der Rheumastation und in der Zahnklinik, die ALLES, wirklich alles taten, um mir zu helfen. In der Zahnklinik hatte ich einen Oberarzt, der auch Arzt war und ich konnte fast jeden Tag bei ihm vorbeischauen. Er hat mich die ganze Zeit aufgebaut, jedesmal über eine Stunde lang. Er hat immer gesagt, es wird weggehen und mich an befreundete Rheumatolgen und Chirurgen geschickt. Vorher hatte ich keinen Arzt, den das interessierte und nun konnte ich zwei Monate lang jeden Tag anrufen und vorbeikommen. Für mich ist es so, als wenn dieser Mensch etwas göttliches hatte, das war ja echt nicht normal. Ohne Ihn hätte ich es mental nie geschafft, ich war tief, tief zerstört und hätte aufgegeben.
    Mein niedergelassener Rheumatologe kurz nach dem Krankenhaus wollte schon auf langwirkende Immunsuppressiva setzen und nur der Zahnarzt meinte trotz meines rumgemotze über 8 Wochen lang, ich solle es auf gar keinen Fall machen, weil es sonst chronisch wird und auch Antibiotika nur im Notfall nehmen wegen der Darmflora.
    Er hatte wirklich recht. Es war eine harte, tränenreiche Zeit, aber er hatte recht. Ich musste durchhalten. Es ging weg. Der letzte, der daran glaubte war ich. Ich hatte hier im Forum nicht ein einziges Mal eine positives Ende gesehen. Aber so was gibts glaube ich gar nicht so selten. Schon in der Klinik meinten die: eigentlich JEDE reaktive Arthritis, auch die, wie bei mir schon monatelang verschleppten Polyarthritiden, gehen früher oder später weg und wenn es über ein Jahr dauert und man es nicht glauben kann. Es ist so. An alle, die sowas erst seit wenigen Monaten haben: glaubt daran. Im Notfall lieber mal ordentlich für 2-4 Wochen Antibiotika, auch wenn die Indikation unklar ist. Sucht und findet einen guten Arzt. Er sollte es merken, dass ihr nicht mehr könnt, von ganz alleine sollte er das merken. Ein Arzt, den man sowas erst sagen muss, ist ein schlechter Arzt. Einer, der euch nicht ernst nimmt auch. Auch Gespräche heilen mit. Sonst rennt man völlig hilflos von Arzt zu Arzt und verliert den Halt. Wenigstens das wurde mir erspart, das heißt das allerwichtigste wurde mir gewährt: die Liebe und Professionalität meiner Mitmenschen und die Hochleistungsmedizin.
    Ich habe mir in den schweren Zeiten immer geschworen, wenn es bei mir, was für mich völlig ausgeschlossen war, endlich aufhört, werde ich es hier allen sagen. Jetzt ist es schon über 2 Monate vorbei und heute habe ich mein Vorgenommenes endlich in die Tat umgesetzt.
     
  2. kukana

    kukana Moderatorin

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    Hallo,
    dass eine reaktive Arthritis nach mehr oder weniger langer Zeit wieder verschwindet ist uns allen bekannt. Leider aber funktioniert das nicht bei den autoimmun ablaufenden Erkrankungen. Das ist ein Vergleich wie der mit den Äpfeln und Birnen - leider.

    Gruß Kuki * die auch schon eine reaktive hinter sich hat mit Heilung. Und jetzt leider zu den Chronischen gehört.
     
  3. rose

    rose Neues Mitglied

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    Hallo wiedergesund

    Freut mich für dich ,das es dir wider gut geht,
    Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und natürlich Gesundheit

    rose
     
  4. Rosarot

    Rosarot trägt keine Brille ... ;)

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    Dankeschön für deinen Bericht ... Ich freue mich von Herzen, dass du so großes Glück hattest und andere dich nicht aufgegeben haben, in Zeiten in denen dir selbst die Kraft dazu versagt war ...

    Alles Guuuute!
    Rosarot
     
  5. ivele

    ivele Aktives Mitglied

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    hallo wiedergesund,

    finde es schön, dass du hier schreibst und anderen mut machst,
    wie kuki schon geschrieben hat, ist es durchaus möglich, dass reaktive arthritiden wieder ausheilen - freue mich mit dir, dass du dazu gehörst:) ,
    finde auch gut, dass du erwähnst, wie wichtig für dich dein glaube war - grad in schwierigen situationen kann dieser sehr helfen,
    wie du auch richtig gespürt hast, ist verständnis + akzeptanz durch die betreuenden enorm wichtig,
    manche von uns suchen leider jahre nach solchen ärzten-
    vielleicht war das auch eine notwendige erfahrung für dich auf dem weg zur medizin,denn was man selber als gut und notwendig erfahren hat, "lebt man" dann auch eher -wünsche dir Gottes Segen auf deinem weiteren weg,
    lg ivele:)
     
  6. Elke41

    Elke41 Guest

    Hallo Wiedergesund,
    ich freu mich das Du es geschafft hast und wünsche Dir weiterhin alles Gute. :)
     
  7. Locin32

    Locin32 Immer neugierig

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    Hallo Wiedergesund,

    ich freue mich für Dich das Du wieder gesund bist.Hoffentlich bleibt das auch so.
    Vielleicht mußtest Du diese Erfahrung machen.Ich glaube nämlich,das alles im Leben einen Sinn hat,auch wenn wir das in dem Moment vielleicht nicht erkennen können.
    Und vielleicht hilft es Dir eine Ärztin zu werden,die ganz genau hinschaut,den Menschen im ganzen sieht und nicht nur eine Krankheit.
    Vielleicht haben Deine Erfahrungen den Patienten der Zukunft viel Leid erspart.
    Vergesse Deine Empfindungen nicht und Du wirst eine sehr gute Ärztin!

    Ich wünsche Dir für die Zukunft viel Glück und das Du Dir dieses Wissen durch den Alltag retten kannst,denn Du kennst jetzt beide Seiten.

    Alles liebe
    Locin32
     
  8. üpoi

    üpoi Neues Mitglied

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    Glückwunsch zur Genesung

    Glückwunsch zur Genesung. Spezialisier dich auf Rheumatologie. Du bemerkst, dass da GOld zu schürfen ist :)
     
  9. KatzeS

    KatzeS Neues Mitglied

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    Hallo,

    danke für deinen positiven Beitrag. üpoi nimmt mir das Wort aus dem Mund (bzw. der Tasttatur ;)): Willst du nicht Rheumatologin werden? :rolleyes:

    Lg KatzeS
     
  10. poldi

    poldi Aktives Mitglied

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    Hallo Wiedergesund
    Du bist, trotz der Schmerzen die Du ertragen musstest, zu beneiden.
    Ich wünsche Dir ein gesundes Leben und vergiss uns nicht, wenn Du mal als Ärztin arbeitest.
    Liebe Grüße Poldi
     
  11. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    hallo wiedergesund! - bitte bleib gesund! :D

    und für 'ne kompetente internistische rheumatologin
    ist sicher in unserem ländle noch ausreichend platz ;)
    freu dich, dass du nicht die autoimmune form der ra
    hast, uns bleibt sie erhalten, zumindest solange,
    bis jemand mit vollkommenem durchblick uns aus
    diesem dilemma führt, und damit sicher den
    nobelpreis verdienen würde.

    alles gute für die zukunft! marie
     
  12. Monsti

    Monsti das Monster

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    Servus wiedergesund,

    ich freue mich mit Dir, dass es offenbar "nur" eine reaktive Arthritis war. Sowas reicht aber auch schon, oder?

    Bleib' jetzt weiterhin gesund!

    Liebe Grüße von
    Angie