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Beruf und Rheuma??

Dieses Thema im Forum "Entzündliche rheumatische Erkrankungen" wurde erstellt von wynnd, 26. Februar 2010.

  1. wynnd

    wynnd Registrierter Benutzer

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    Ich mache jetzt gerade mein Abi und stehe also praktisch direkt vor der Berufswahl, bzw zumindest schonmal vor der Wahl eines Studiums( erst kommt noch fsj, aber dann gehts los).

    Ich habe die Diagnose Polyarthritis seit ca 3 1/2 Jahren.

    Jetzt findet sich gleich auf dieser Startseite der Bereich
    rheuma-online » Krankheitsbilder » chronische Polyarthritis » Rheumatoide Arthritis: Zahlen und Fakten im Überblick


    • [...]
    • Bei 40% entwickeln sich knöcherne Gelenkdefekte („Erosionen“) innerhalb der ersten 6 Monate, bei 60% innerhalb des ersten Jahres nach Krankheitsbeginn, bei mehr als 80% innerhalb der ersten 2 Jahre, bei 90% im Verlauf von 5 Jahren
    • Nach 2 Jahren sind fast 40% der RA-Patienten krankheitsbedingt berentet, nach 5 Jahren mehr als 60%
    • Nach 10 Jahren sind 17% der Patienten an großen Gelenken operiert (künstliche Hüft- oder Kniegelenke), 10% sind schwerstbehindert
    • Rheumatoide Arthritis ist in der westlichen Welt die häufigste Ursache für eine krankheitsbedingte Behinderung, die durch adäquate Therapien zu beeinflussen ist
    • [...]
    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich sehr unsicher bin, wie ich damit umgehen soll. Eigentlich hatte ich geplant einen Job an der frischen Luft und mit körperlichem Einsatz zu ergreifen und nicht nur im Büro zu sitzen.

    Um ehrlich zu sein bereitet mir der Gedanke meinen potenziellen Traumberuf aufgrund meiner Erkrankung und den damit aller Wahrscheinlichkeit verbundenen Fehlzeiten nie ausüben zu können regelrecht Angst. Mal ganz zu schweigen von eventueller Frührente oder dergleichen

    Welcher Arbeitgeber sollte mich schon anstellen, wenn er genauso gut einen gesunden Bewerber nehmen könnte?? Und gibt es eventuell sogar bestimmte Berufsgruppen bei denen ich mir eine Bewerbung von vorn herein sparen kann?


    Könntet ihr mir eventuell ein paar Tipps geben, oder einfach ein paar eigene Erfahrungen aus dem Berufsleben schreiben?

    Gruß

    wynnd
     
  2. Cinderella69

    Cinderella69 Neues Mitglied

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    NUn mal keine Panik!
    Sicher gibt es ein paar Dinge die du in Erwägung ziehen solltest, bei der Berufswahl.
    Ein ausgewogenens Maß an Sitzen und Bewegung wäre wichtig, beide Extreme sind für Rheumatiker nicht gut, vor allem nicht wenn schon eine körperlich Einschränkung vorliegt.
    Ich hab rheum. Ahrtritis, als die Diagnose vor 7 Jahren endgültig feststand sagte der Herr Doktor - nun bei ihrerem Erscheinungsbild können sie sich schon mal einen Rollstuhl bestellen, in spätestens 10 Jahren werden sie ihn brauch - Blödman.
    Bin weit davon entfernt (hab einfach den Arzt gewechselt ) wir haben es geschafft mit einer guten Basismedikation den Mist aufzuhalten.
    Natürlich habe auch ich Schübe und es geht mir ab und an schlecht aber mit Medikamenten habe ich das ganz gut im Griff.
    Allerdings habe ich meinen ursprünglichen Beruf an den Nagel gehängt.
    Ich war Krankenschwester, was körperlich sehr anstrengend ist und der Schichtdienst war auch schlecht für mich ich komme mit einem kontinuierlich geregelten Tagesablauf besser klar, aber da ist jeder anders gestrickt.

    Es ist natürlich bitter, wenn man an der Pforte ins Berufsleben steht und gleich mal einen Katalog voll Einschränkungen hat.
    Was genau heißt denn - an der Frischen Luft?
    Als Mauerer oder Landschaftsgärtner hättest du es sicher schwer.
    Als Arichtekt der im Büro entwirft und dann auf der Baustelle rumtantz um zu gucken, aber nicht körperlich schwer mitarbeitet, sähe das schon anders aus.
    Verstehst du was ich meine?
    Vielleicht findest du etwas, wo du beides vereinen kannst?
    Potentielle selbständigkeit muss auch nix schlechtes sein.
    Ich bin inzwischen auch selbständig und habe mehrere Angestellte.
    Im Prinzip kann ich von zu Hause arbeiten, Internet und Telefon machen es möglich. Ich muss nur ab und an mal nach dem rechten sehn.
    Ausserdem muss ich mir nie geknatsche vom Chef anhören, wenn ich nicht so gut kann, das bin ja ich :a_smil08:.

    Gleichzeitig bin ich aber sehr motiviert, immer schnell wieder auf die Füße zu kommen.Als Angestellte, mit einer recht zickigen Chefin war das nicht so, da hab ich schneller gedacht- rutsch mir den Buckel runter.
    Aber wirklich gut getan hat mir das nicht.Da ist auch jeder anderes, viele brauchen die Sicherheit einer Anstellung. Da muss jeder seinen Weg finden.

    Du führst hier Statistiken an, aber was ist denn mit Dir ?
    In wieweit bist du denn schon eingeschränkt? Wie drastisch ist der Verlauf?
    Hast du eine gute, wirksame Basismedikation gefunden die den Prozeß aufhält und mit der du gut leben kannst ?
    Bei rheuma hat jeder seine ganz individuelle Geschichte und Verlaufsform und was dem einen hilft tut dem anderen noch lange nicht gut.

    Wo der eine zusammenbricht schmeißt sich ein anderer ein Schmerzmittel rein und macht einfach weiter. Auch da gibt es auch keine Wertung, jeder muss es für sich regeln wie er es braucht, den jeder einzelene hier empfindet seine Krankheit anders und geht anders damit um.

    Also mach dich nicht verückt, analysiere deine Situation und dein Empfinden gründlich und dann wähle entsprechend aus.
    Ich wünsche dir, das du etwas findest ,das dir gefällt und deiner Erkrankung entgegen kommt.Denn wenn man einen Job hat den man richtig gerne macht hält man die Misere besser aus....und da weiß ich ganz genau wovon ich rede !!

    Ganz liebe Grüße
    Cinderella
     
  3. Schlappi

    Schlappi Neues Mitglied

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    Genau so!

    Hallo,

    ich kann mich den Ausführungen von Cinderella voll und ganz anschließen. Jeder muß für sich heraus finden, was geht und was nicht. Kapitulieren ist der falsche Weg. Akzeptieren und das beste rausholen, so hab ich es auch versucht. Mußte meinen Beruf leider auch aufgeben(Hebamme), war am Boden zerstört, aber mein damals 5-jähriger Sohn hat mir sehr geholfen. Nachdem ich eine andere Arbeit aufgenommen hatte, ging es mir auch um das Rheuma wieder viel besser. Wichtig ist, daß man zufrieden und ausgeglichen ist, wirkt sich positiv auf unsere Erkrankung aus. Im Moment marschiere ich wieder durch einen lang anhaltenden Schub, das wird immer wieder mal sein, damit mußt du dich arrangieren.
    Also Kopf hoch, du bist noch sehr jung, die Medizin ist auch schon viel weiter, sicher findest du für dich den richtigen Weg->dazu alles Gute und viel Glück.
    Lieben Gruß von Schlappi
     
  4. bise

    bise Neues Mitglied

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    wende dich doch mal an eine berufsberung für abiturienten.
    was sagt der rheuma doc? zukunftsprognosen sind nur schwer zu erstellen.
    ich kenne etl. rheumis, sie sind in der basis medi sehr gut eingestellt, sie sind top fit, kaum beeinträchtigt durch ihre erkrankung. und ich kenne rheumis, die haben es verdammt schwer, bei denen greift kein medi, sie wurden berufs-, erwerbsunfähig; sind auf permanente hilfe angewiesen...
    doch lass dich jetzt nicht schrecken, die fortschritte in der medizin sind rasant. also führe zunächst mal ein ehrliches gespräch mit arzt und berufsberater; lass deine fähigkeiten und eignungen durch tests feststellen. du glaubst gar nicht, wie viele möglichkeiten und programme es mittlerweile für engagierte und fachkompetente chroniker gibt.
    viel erfolg
    gruss
     
  5. Sunflower76

    Sunflower76 Neues Mitglied

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    nrw
    Berufsberatung über Arbeitsagentur

    ich schließe mich meinem Vorredner an :)) Wende dich doch einmal an die Berufsberatung der örtlichen Arbeitsagentur. Dort gibt es auch spezielle Berater für Rehabilitanten bzw. chronisch Erkrankte. Es gäbe auch die Möglichkeit, spezielle Tests über den ärztlichen bzw. psychologischen Dienst zu absolvieren, um genau zu schauen, für welche Berufe du geeignest bist und welche Berufe vor allem auch leidensgerecht sind. Termine in der Berufsberatung bekommst du über eine Bewerberhotline. Die Nummer kannst du bei Interesse gerne über PN bei mir erfragen.
    Das wäre jedenfalls ein Anfang - und du könntest weitere Adressen oder Ansprechpartner dort erfahren.
    Viel Erfolg!
     
  6. Sylvi

    Sylvi Deichkind

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    Hallo,

    ich wollte damals unbedingt Krankenschwester werden mit allen Mitteln...doch es hat nicht geklappt weil ich keine Lehrstelle bekam in meinen "Lieblings-Kliniken". Also lernte ich "Kauffrau im Einzelhandel" Und war in der Lehre gleich im ersten Lehrjahr 3 Monate krank mit dickem Knie. Am Ende der Ausbildung bekam ich wieder dicke Knie und da wurde in meinem Lehrbetrieb gerade ein Job in der Verwaltung frei. Ich hab gesagt, dass ich das machen würde , bevor ich Arbeitslos werde (war eine sehr stressige Stelle) und siehe da, ich hatte einen Bürojob. Als sich dann rausstellte, dass ich Rheuma hab und die Entzündungen daher kommen, hab ich so ein bischen an Schicksal gedacht. Den Beruf Krankenschwester hätte ich auf keinen Fall machen können und weiterhin im Verkauf stehen auch nicht. Dieser Job war zwar nicht mein Traumjob aber ich konnte auch im Schub zur Arbeit gehen und die Beine mal hochlegen. Nun freue ich mich, wenn ich bald nach der Elternzeit wieder arbeiten kann, weil ich mich doch sehr wohl fühle in meinem Ausweich-Beruf:)

    Da du ja schon weißt das du Rheuma hast, hast du ja wirklich die Möglichkeit, in die richtigen Richtung zu gehen, bevor irgendwann nichts mehr geht.

    LG Sylvi
     
  7. heyjude

    heyjude Neues Mitglied

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    Hi...

    ich bin inzwischen 30, habe MB seit ich 17 bin und habe aber nach meinem Abi erstmal ein Semester studiert.
    Dort habe ich schnell gemerkt dass das gar nichts für mich ist und dann, aufgrund von etwa 3 Jahren "Ruhe" vom Rheuma und weil ich das wirklich wirklich wollte, dann eine Ausbildung zur Raumausstatterin angefangen.
    Im Nachhinein verrückt, aber ich hatte wirklich lange Jahre nichts mehr von meiner Krankheit gemerkt und wollte das so gerne.
    Nach vier Monaten bekam ich entzündete Knie. Bis dahin hatte ich immer "nur" mit dem Rücken zutun. Durch die Punktion der Gelenke und die Verunreinigung des Knies dabei musste es gespült werden, daraufhin bekam ich eine fulminante Lungenembolie und war etwa ein Jahr "ausgeschaltet".
    Mit der Ausbildung war es eh vorbei, es hat lange gedauert bis ich wieder normal laufen konnte, körperlich arbeiten war nicht mehr drin.
    Ich habe dann eine Umschulung zur Mediengestalterin machen können - und damit kann ich heute sehr gut leben.

    Erspar dir die harte Tour mit "ich will aber" und mach das, was vernünftig ist. Du kommst eh früher oder später dort an.
    Ich hätte auch gleich eine Ausbildung zur Mediengestalterin machen können. Ich wäre zwar nicht die selbe Person, aber es hätte mit einiges erspart. Eine Nahtoderfahrung durch die Lungenembolie, viele Krankenhäuser von innen, vielleicht hätte ich nie Probleme mit den Knien bekommen.

    Ich kriege heute noch ein bisschen glänzende Augen sobald ich eine Werkstatt betrete, aber: inzwischen haben wir ein Haus mit *eigener* kleiner Werkstatt - und dort kann ich kleinere Dinge machen, wenn meine Gelenke es zulassen. Was nicht sehr oft ist - aber es geht.

    Es gibt einen Weg der genau zu dir passt - versuche nicht so viele Umwege zu machen bevor du dich auf ihn einlässt.
    Ich weiss noch gut wie schwierig das ist.

    Ganz liebe Grüße - heyjude