Angststörung

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von Abendröte, 22. Juni 2022 um 10:38 Uhr.

  1. Abendröte

    Abendröte Bekanntes Mitglied

    Registriert seit:
    4. Dezember 2020
    Beiträge:
    262
    Zustimmungen:
    394
    Ort:
    Baden-Württemberg
    Hallo Rheumis,

    Habe eben in "Hüftarthrose und Angststörung" gelesen, dass hier doch einige mit diesem Leiden sind.
    Da auch ich dieses nervige Problem habe, das sich bei mir seit kurzem wieder anbahnt, wollte ich hier mal in die Runde fragen, was ihr so dagegen unternehmt, was euch hilft, wie es sich auf eure körperliche Gesundheit auswirkt. Und nehmt ihr Medikamente? Was hilft euch im Akutfall?

    Liebe Grüße
     
  2. Aida2

    Aida2 Bekanntes Mitglied

    Registriert seit:
    22. Dezember 2020
    Beiträge:
    2.486
    Zustimmungen:
    5.366
    Ort:
    bei Aachen
    Liebe @Abendröte ,
    ich freue mich erstmal, Dich wieder mal zu lesen :) und das ist ein sehr interessantes Thema....Auch ich hatte immer mal wieder Phasen in meinem Leben, in der ich eine Angststörung hatte, ganz besonders schlimm sogar Panikattacken. Das ist ein ganz schreckliches Gefühl und man empfindet das sogar als lebensbedrohend, was ein einschneidendes Erlebnis ist. Das passierte immer in Zeiten, in denen ich hilflos, nervlich überlastet voll Sorgen war, wie zum Beispiel beim Schlaganfall meiner Tochter. Ich weiß noch, wie ich mal wieder auf dem Weg ins Krankenhaus war und an einer roten Ampel im Auto eine Panikattacke bekam....aus heiterem Himmel. Das war ganz furchtbar....Was tut man da ? Ich habe mich beim Hausarzt durchchecken lassen, ohne Befund. Er wollte mir Psychopharmaka verschreiben, aber ich wollte es ohne dauerhafte Medikamente versuchen. Für den Notfall hat er mir aber auf meine Bitte Tavor, ein Beruhigungsmittel, verschrieben. Das habe ich als eine Art Krücke immer mit mir rumgeschleppt, aber es beruhigte mich, nicht ganz ausgeliefert zu sein. Genommen hab ich höchstens eine viertel Tablette, das genügte schon.
    Ganz wichtig finde ich auch, die körperlichen Symptome dann auch als Angststörung anzunehmen. Ich glaube das ist der wichtigste Schritt überhaupt. Und wenn ich merkte, dass etwas im Anflug war, musste ich mich immer bewegen, mich belasten. Viele vermeiden die Situationen, in denen das passiert ist, wie z. Bsp. Auto fahren. Aber erstmal ging das nicht und ich merkte auch, dass mir das Konfrontieren mit dieser Situation und dass eben nichts schlimmes passiert, mit der Zeit die Sicherheit zurück gab.
    Letztlich muss man sich auch mit der derzeitigen Lebenssituation auseinander setzen, wenn nötig mit Hilfe eines Psychologen. Denn die Angst hat eine Ursache und ist grundsätzlich ein gutes Warnsignal unseres Körpers. Wenn man die Angst vor der Angst langsam wieder verliert, dann ist alles gut :)....meistens nachdem man etwas grundlegendes in seinem Leben geändert hat oder eine Situation sich erledigt.

    Ich wünsche dir alles Gute und liebe Grüße
     
    Pasti, Abendröte, general und 3 anderen gefällt das.
  3. lieselotte08

    lieselotte08 Bekanntes Mitglied

    Registriert seit:
    4. Februar 2019
    Beiträge:
    794
    Zustimmungen:
    1.543
    Liebe Abendröte
    Wie Aida schon schrieb, eigentlich ist die Angst ein sinnvoller Warnmechanismus unseres Körpers.
    Aber irgendwann wird es eben die Angst vor der Angst, die uns einschränkt.

    Wir reagieren in sollen Fällen, die viele als lebensbedrohend empfinden, mit einer der drei Möglichkeiten schon seit der Steinzeit. Flucht, Angriff oder Totstellen.
    Auch wenn wir wissen, das man nicht wegen eber Panikattacke stirbt, dass Gefühl hat man doch jedesmal auf's neue.
    Diesem Gefühl kann man nur die Spitze nehmen, indem man der Angst den Platz im Leben einräumt, der ihr zusteht. Nämlich warnen vor einer Gefahr. Wenn sie denn da ist. Ansonsten zur Kenntnis nehmen, nicht werten und sich etwas gutes tun.

    Aber wer schafft es schon, sich damit anzufreunden, die Angst willkommen zu heissen? Genau das ist aber notwendig, um der Angst den Schrecken zu nehmen. Das ist das, was ich in meiner Therapie gelernt habe. Das zusammen mit Entspannungsübungen sorgt seit vielen Jahren dafür, dass ich relativ angstfrei mein Leben leben kann.

    Selbst, als mich Anfang des Jahres eine schwere Depression eingeholt hat, war ich verschont von einem erneuten Auftreten der Angststörung.
    Und ja, ich nehme Medis, aber die habe ich auch schon genommen, als die Depression ausbrach. Nur halt in einer viel geringeren Dosis. Das hat mir gezeigt, dass ich in professionelle Hände gehöre und nur nicht mehr die Tabletten vom Hausarzt verschreiben lasse. Ohne weitergehende Betreuung auf diesem Fachgebiet.
    Ich wünsche dir, dass du zeitig genug die Kurve bekommst. Denn von ganz unten wieder aufzustehen braucht soooo unendlich viel Kraft.
    Ach, für den Akutfall habe ich ein Bedarfsmedikament. Das ist Pipamperon und hilft recht zuverlässig.

    Viele liebe Grüße
    Lieselotte
     
    Pasti, Abendröte, stray cat und 3 anderen gefällt das.
  4. Aida2

    Aida2 Bekanntes Mitglied

    Registriert seit:
    22. Dezember 2020
    Beiträge:
    2.486
    Zustimmungen:
    5.366
    Ort:
    bei Aachen
    Das stimmt liebe Lieselotte... Ich habe damals über die VHS zusammen mit meiner Tochter einen Yoga - Kurs und Autogenes Training besucht. Ich musste das vorbezahlen und gegen eine Teilnahmebescheinigung hat die Krankenkasse den Betrag erstattet. Heute bietet meine KK Kurse an (meistens aber zu weit weg) oder man kann sich zu Online - Kursen anmelden.
    Dem Yoga bin ich übrigens treu geblieben und auch Qi Quong oder Tai Chi finde ich super.

    Viele Grüße
     
    Lisalea gefällt das.
  5. Abendröte

    Abendröte Bekanntes Mitglied

    Registriert seit:
    4. Dezember 2020
    Beiträge:
    262
    Zustimmungen:
    394
    Ort:
    Baden-Württemberg
    Hallo ihr beiden

    Vielen lieben Dank für eure ausführlichen Antworten. Teilweise kann ich mich darin wiederfinden.

    In psychologischer Behandlung bin ich zwar, aber das ist immer wie ein Kontrolltermin ohne große Hilfe. Die Dame hat mir sogar schon mal ihr Leid erzählt. Fand ich zwar recht nett, sympathisch, aber ist mir halt keine Hilfe.
    Auch habe ich sonst keinen Ansprechpartner für dieses Problem. In meinem Umfeld habe ich gefühlt nur "starke" Menschen, außer meiner Tochter, die auch unter dieser Störung leidet.

    Ich vermute den Auslöser in meinen Panikattacken im Stress.
    Wäre es denn auch möglich, dass sie einen neuen Schub ankündigen? So hat meine ganze Rheumageschichte überhaupt erst angefangen. Ich möchte aber nicht schon wieder so zusammen klappen, wobei es mir doch erst so gut ging....

    Yoga mache ich auch, find ich ganz toll. Nun fehlt es aber schon die 3. Woche und ich merke richtig, wie gut das eigentlich tut.
    Aber für Entspannungsübungen fehlt mir irgendwie die Ruhe. Find ich manchmal schon beim Yoga schwierig, wenn es heißt: so, nun schließen wir mal die Augen und kommen langsam hier an :D

    Und nun muss ich mich auch schon wieder ums Mittagessen kümmern....

    Viele Grüße
     
  6. Rogi

    Rogi Mitglied

    Registriert seit:
    29. Januar 2022
    Beiträge:
    29
    Zustimmungen:
    80
    Hi Abendröte,
    das kenn ich auch, dass mir für Entspannungsübungen, hier: autogenes Trainung, die innere Ruhe fehlt, um runterzukommen. Und dabei hab ich selbst einen Trainerschein für autogenes Training...
    Aber es wäre zusätzlich psychologische Hilfe gut, um die Gedanken umzulenken. Ich würde mir einen anderen Psychologen suchen.
    Grüße, Rogi
     
    Pasti und Aida2 gefällt das.
  7. Aida2

    Aida2 Bekanntes Mitglied

    Registriert seit:
    22. Dezember 2020
    Beiträge:
    2.486
    Zustimmungen:
    5.366
    Ort:
    bei Aachen
    Liebe Abendröte, DU bist ein starker Mensch.... Ich erinnere mich an deine früheren Beiträge und an die Situationen, die du zu meistern hattest. Da habe ich auch schon gedacht, dass du sehr viel um die Ohren hast und dich sehr kümmerst.
    Da kommst du oft auch zu kurz....
    Wenn der ganze Stress, das Ständig - unter - Strom - stehen zu viel wird, sind die Nerven eben auch mal überlastet... Ich habe mir das immer wie einen kleinen Nervenzusammenbruch vorgestellt und es dauert, bis es sich wieder beruhigt.
    Es ist aber auch ein Schrei nach Veränderung. Es ist schade, dass du keine angemessene Hilfe von deiner Therapeutin erhältst. Das muss wirklich passen und ein Vertrauensverhältnis sein. Ich stimme da Rogi zu.... wenn es nicht passt, musst du dir einen neuen Therapeuten suchen.
    Übrigens fand ich bei meinem ganz toll, dass wir 5 "Probesitzungen" vereinbart haben und beide Seiten danach entscheiden, ob man weiter zusammen arbeiten möchte. Das war für mich ein Qualitätsmerkmal und zeugte von echtem Interesse.
    Alles, alles Gute für dich....

    Liebe Grüße
     
    Pasti gefällt das.
  8. mondbein

    mondbein Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    29. Dezember 2006
    Beiträge:
    1.109
    Zustimmungen:
    424
    Ort:
    RLP, Westerwaldkreis
    Hallo liebe Abendröte,

    ich vermute, dass viele von uns ein Liedchen von der Angst singen können. Ich habe seit gut 20 Jahren auch einiges durch: immer wieder starke Lupusschübe, kaputte Handgelenke, Darm- und Hautkrebs, Pankreatits und Hepatitis - nur um mal einen groben Überblick zu geben.

    Den meiner Meinung nach wichtigsten Auslöser der Angstattacken hast du ganz richtig erkannt, das ist nämlich tatsächlich Stress! Vor gut 10 Jahren hab ich endlich aufgehört zu arbeiten und seitdem geht es mir deutlich besser, privaten Stress halte ich ebenfalls so gut es geht von mir fern. Unser Sohn ist mittlerweile Mitte 20 und steht sehr gut im Leben - das gibt mir ebenfalls eine gewisse Gelassenheit, da er zur Not auch ohne mich leben könnte...

    Von Bekannten und Freundinnen weiß ich, dass ihnen Qigon oder auch Joga sehr gut helfen, kommt für mich leider nicht in Frage. Autogenes Training schon eher, hat mir aber leider nicht geholfen. Ich nehme seit vielen Jahre Medikamente ein, die mir sehr gut helfen: Serochron (da ist Tryptophan drin) und rhodioLoges (Rosenwurz/pflanzlich).

    Alles Gute wünsche ich dir!
     
    Pasti und Aida2 gefällt das.
  9. Katjes

    Katjes Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    18. April 2007
    Beiträge:
    16.503
    Zustimmungen:
    16.215
    Ort:
    in den bergen
    Liebe Abendröte,
    Hättest du die Möglichkeit evt einer psychosomatischen Reha ?
    Es gibt einige Kliniken,die sich mit Angststörungen auskennen.
    Ich selbst bin nicht betroffen ,aber meine Freundin hat sehr von so einem Aufenthalt profitiert.
    Zu Mal du ja wohnortnah nicht gut betreut wirst.
     
    Pasti und Aida2 gefällt das.
  10. Sinela

    Sinela Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    25. März 2006
    Beiträge:
    7.918
    Zustimmungen:
    7.315
    Ort:
    Stuttgart
    Ich habe eine generalisierte Angststörung seit ich 17 bin. Am Anfang war das so schlimm, dass ich mich kaum noch aus dem Haus getraut habe, wenn, dann nur in die nähere Umgebung. Aber ich habe es dann geschafft - wie kann ich heute nicht mehr sagen - die Angst in den Griff zu bekommen und eine Ausbildung zu beginnen, zu beenden und jahrelang in meinem Beruf zu arbeiten. Herzrhythmusstörungen hatte ich die ganze Zeit, aber ich wusste, körperlich ist alles in Ordnung und dieses Wissen half mir, die Angst klein zu halten.

    So ist es auch noch heute, Wissen ist meiner Meinung nach eine ganz starke Waffe gegen die Angst. Mir wurde ja im Mai das Metall aus der Hüfte entfernt, da hatte ich nur die normale Angst vor einer OP. Ursprünglich sollte die OP am 08.03. stattfinden, da hatte ich schon Panik vor der Zeit nach der Entfernung, Angst vor einem erneuten Bruch, Angst vor dem Entlasten, und vielem mehr. Die OP wurde um zwei Wochen verschoben und da habe ich mich dann so reingesteigert, dass ich nur noch am heulen war. Ich habe die OP dann abgesagt und am Tag darauf war mir klar, wie sehr mich die Angst da im Griff hatte. Hätte ich da schon gewusst, was ich heute weiß (die zwei Wochen nach der OP waren wegen meinem linken Ellenbogen und dem Entlasten die Hölle, aber davon abgesehen konnte ich alles machen, mich ganz normal bewegen, nur belasten durfte ich das operierte Bein nicht), wäre es gar nicht soweit gekommen.

    Ich war 1998 acht Wochen in einer psychosomatischen Klinik im Glottertal, weil meine Seele mir zu dieser Zeit massive körperliche Beschwerden bescherte. Anfangen von Schwindel bis zur Lähmungserscheinungen in den Beinen. Die Zeit dort hat mir unheimlich gut getan, danach bin ich weiter zur Psychotherapie gegangen und war im Jahr 2000 wieder fit - was die Angst angeht, denn im März fing dann das Rheuma an. Und das bescherte mir die nächste Panikattacken - ich sage nur mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten. Ich habe erst nach zwei Jahren mit dem MTX angefangen, was mir vier Tage lang starke Übelkeit bescherte. Nach einem Jahr habe ich es deshalb abgesetzt und nichts anderes mehr genommen. Erst meine neue Rheumatologin, bei der ich seit 2013 bin, hat meine Angst ernst genommen (was bei den Ärzten davor leider nie der Fall war) und hat mir deutlich gesagt, dass ich das Arava (ich habe es wirklich versucht, stand vor den Tabletten wie das Kaninchen vor der Schlange) nehmen muss. Ich bin dann für die erste Tablette zu meiner Hausärztin in die Praxis gegangen und habe dort eine Stunde im Wartezimmer gesessen. Leider hat das Arava nicht geholfen, so dass ich auf Enbrel umsteigen sollte. Dafür hat mich meine Rheumatologin in die Rheumaklinik in Baden-Baden eingewiesen, wo ich die ersten beiden Spritzen bekommen habe. Die Angst vor den Nebenwirkungen habe ich dank einer Psychotherapie gut in den Griff bekommen. Sie ist nicht verschwunden, aber ich habe sie im Griff. Wie es sein wird, wenn ich ein neues Medikament nehmen muss, darüber möchte ich allerdings gar nicht nachdenken!
     
    Pasti, Aida2 und PiRi gefällt das.
  11. PiRi

    PiRi IG-Mitglied

    Registriert seit:
    27. September 2006
    Beiträge:
    11.112
    Zustimmungen:
    5.875
    Ort:
    Herne
    Nee, gefällt mir natürlich nicht, aber Du weißt, was ich meine.
     
    Sinela gefällt das.
  12. Sinela

    Sinela Registrierter Benutzer

    Registriert seit:
    25. März 2006
    Beiträge:
    7.918
    Zustimmungen:
    7.315
    Ort:
    Stuttgart
  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden