Hallo ihr Lieben, seit Jahren überlege ich, wie viel Sinn eine Unfallversicherung für mich noch hat, ob ich diese kündigen sollte. Ich höre immer wieder, dass im Fall eines Unfalls versucht wird, die daraus entstandenen gesundheitlichen Probleme auf die Vorerkrankung zu schieben. Und der Bewegungsapparat ist bei mir schon geschädigt (15 Jahre RA). Wisst ihr Genaueres darüber oder habt eine Meinung dazu oder sogar Erfahrungen damit gemacht? Würde mich sehr über eure Einschätzungen freuen! Liebe Grüße tilia
Ich hab eine grundsätzliche Einstellung zu Versicherungen: Was ich jahrelang nicht gebraucht habe, lasse ich laufen, wenn ich mirs leisten kann. Denn es ist die Versicherung für mich, dass mir nix passiert. Ist wie mit der Vollkasko fürs Auto. Kündigt man die, krachts mit Sicherheit. Nee, im Ernst. Es geht bei der Unfallversicherung ja nicht drum, ob ich Osteoporose oder Arthrose oder sonstwas habe, sondern um das Unfallgeschehen und die Folgen. Kann mir nicht vorstellen, dass die weniger bezahlen, wenn der Bewegungsapparat nicht mehr neuwertig ist. Das müsste bei Abschluss schon explizit erwähnt werden.
Mal im Ernst: Z.B. wurde mir im Reisebüro aktiv von einer Reiserücktrittsversicherung abgeraten, da alle Erkrankungen, die der Reise im Wege stehen könnten, auf die Grunderkrankung zurück zu führen wären. Da kann ich mir halt vorstellen, dass dies auch bei anderen Versicherungen wie z.B. der Unfallversicherung so ist... Ja, @Chrissi50 , bissl abergläubisch bin ich auch noch und denke, es könne krachen, wenn die Versicherung gerade abgeschafft wurde...
Ich kenne deine Police nicht, aber bei vielen dieser Versicherungen geht es ja auch um einen Batzen Geld für evtl anfallende Umbauten, falls keine komplette Genesung erfolgt . Oft ist zusätzlich auch noch Krankenhaustagegeld beinhaltet. Da müsstet du einfach mal nachschauen, was alles versichert ist und inwieweit das überhaupt auf deine Erkrankungen "anwendbar" wäre. Liebe Grüße
Man muss unterscheiden zwischen Berufsunfähigkeit und Unfallversicherung. Bei der BU ist manchmal strittig, ob sie tatsächlich vorliegt. Da wird ganz genau geguckt, ob eventuell schon vor Abschluss etwas vorgelegen hat, was jetzt zur Berufsunfähigkeit führt. Aber ein Unfall ist eigentlich ganz klar definiert und wenn man zum Arzt oder zum KH geht, wird das ja auch festgehalten, dass es eine Unfallfolge ist. Es ist ein plötzliches Ereignis, das von außen auf den Körper einwirkt und zu gesundheitlichen Folgen führt. Eine rheumatische Erkrankung ist für die U erstmal total unerheblich. Nur ein Oberschenkelhalsbruch in der Vergangenheit hätte bei Abschluss angegeben werden müssen (daraus wird ein erhöhtes Sturzrisiko geschlossen). Also ich würde die Unfall behalten, wenn es kostenmäßig überschaubar ist. Vor allem, wenn du keine BU hast. Und der Begriff Unfall ist weit gefasst. Ein Wespenstich mit allergischer Reaktion ist z.B. auch ein Unfall. Oder eine Verbrennung, ein Stromschlag usw. Das sind ja alles Dinge, die jedem passieren können ganz unabhängig vom Rheuma. Es kommt auch darauf an, wie alt deine Versicherung ist und ob die Leistungen den neuesten Bedingungen entsprechen. Uraltverträge, die nie angepasst wurden, sind oft zu niedrig in der Versicherungssumme und es fehlen die neueren Bausteine. Früher gab es z.B. keine Unfallrente, sondern nur Leistung bei Invalidität oder Tod. Da kamen nur sehr wenige Leute zu einer Leistung aus der Versicherung. Heute führt schon ein unfallbedingter Knochenbruch zu einer Sofortzahlung bis zu 1500 Euro.
Ich wollte noch ergänzen, dass sich mein Beitrag auf bereits bestehende Versicherungen bezieht. Das war ja die Frage von Tilia. Wenn jemand eine Unfallversicherung neu abschließen möchte, dann muss er natürlich einige Gesundheitsfragen beantworten und es kann sein, dass man daraufhin abgelehnt wird. Diese Fragen unterscheiden sich je nach Versicherung. Aber grundsätzlich gilt: Erkrankungen, die durch mögliche Stürze ein erhöhtes Unfallrisiko haben, führen da zu Problemen. Beispiele sind Osteoporose, Diabetes, Epilepsie usw. Pflegegrad höher als 2 und Schwerbehinderung mit mehr als 50% werden auch abgefragt.
Das kenne ich nur von der Zusatzkrankenversicherung. Bei mir ist zum Beispiel eine meiner chronischen Sachen ausgeschlossen. Die anderen Malessen kamen erst später, ich glaube, heute könnte ich so eine Versicherung gar nicht mehr abschließen. Oder sie wäre schweineteuer. Ein Unfall ist ein unvorhersehbares Ereignis, ich wüsste nicht, wie man da was im Vorfeld ausschließen will. Aber meine Versicherungen sind ja schon was älter, vielleicht hat sich das ja jetzt geändert. Was die Berufsunfähigkeitsversicherung angeht, da muss man aufpassen - die zahlt nur, wenn man in dem einen Beruf, den man ausübt, nicht mehr arbeiten kann. Da bekommt man statt Geld höchstens ganz viele Vorschläge, was man stattdessen arbeiten könnte. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn man gar nicht mehr arbeiten kann. Unabhängig davon, in welchem Beruf.
Ich habe ja ein paar Beispiele genannt. Wenn man bestimmte Erkrankungen hat, dann ist das Unfallrisiko einfach deutlich erhöht und dann wird man nicht angenommen. Jemand mit Glasknochenkrankheit oder mit einer Schwindelerkrankung wird kaum eine Unfallversicherung finden. Die Gesundheitsfragen sind bei der Unfallversicherung deutlich abgespeckt (im Vergleich zu BU oder Krankenversicherung), aber es gibt sie. Beantwortet man sie nicht korrekt, kann das auch nachträglich zum Ausschluss der Leistung führen. Bei Abschluss der BU muss man darauf achten, dass die Versicherung auf die "abstrakte Verweisung" verzichtet. Dann ist man als Bäcker mit Mehlallergie berufsunfähig und kann nicht auf andere Berufe verwiesen werden. Wie immer gilt Augen auf, wenn man Verträge abschließt und gut informieren. Der Preis ist nicht alles! Das Wichtigste bei der BU ist, dass man seine Gesundheitshistorie selber im Vorfeld gut recherchiert. Wer weiß schon, wie oft er in den letzten 10 Jahren wegen was beim Arzt war? Da wird gerne mal etwas vergessen und das wird dann Jahre später zum Fallstrick. Hinzu kommt, dass der Patient oft gar nicht weiß, welche Diagnosen der Arzt in seinem PC stehen hat. Diese falschen oder fehlenden Angaben sind die häufigsten Gründe für die Ablehnung von Leistungen durch die Versicherer. Beim Beratungsgespräch sind fast alle jungen Leute kerngesund. Und kommt man dann zu den Gesundheitsfragen reicht schon die Frage nach dem Gewicht, um den Abschluss fast unmöglich zu machen oder doppelt so teuer wie errechnet.
Habt lieben Dank für eure Anmerkungen! Das bringt mich wirklich weiter. Mein Vertrag ist von 2009, da war ich noch gesund. Tatsächlich ist u.a. eine Kapitalleistung bei Invalidität vorgesehen. In den Versicherungsbedingungen gibt es zwei Punkte, die mir nicht gefallen: 1) "Darüber hinaus müssen Sie mit Leistungskürzungen rechnen, soweit die Unfallfolgen durch Krankheiten verstärkt worden sind." Wie ihr schon schreibt, tangieren nicht alle Unfälle die Erkrankung (RA). Aber viele kann man doch verknüpfen und es ist ja auch realisitisch, wenn ich z.B. schwere Verbrennungen durch ein suprimiertes Immunsystem schlechter wegstecke... 2) "Todesfälle sind uns innerhalb von 48 Stunden zu melden.Wird diesen Verpflichtungen nicht nachgekommen, kann dies zu vollständigen oder teilweisen Verlust des Versicherungsschutzes führen (10 TSD €) Da heißt es für die zurück gebliebenen Angehörigen: Erst Versicherung anrufen und dann weinen. Oder was?
Tilia, es geht ja hier nur um den Tod durch einen Unfall. Die Versicherung muss natürlich prüfen, ob der Unfall die Todesursache war. Aus eigener Erfahrung kann ich dir berichten, dass eine nicht natürliche Todesursache wie beispielsweise ein Sturz zu einigen seltsamen Dingen führt. Da werden die Angehörigen unter anderem von der Polizei verhört. Bei uns kamen die Polizisten direkt zum Bestatter. Da ist die fristgerechte Meldung bei der Versicherung eher Nebensache (kann zum Beispiel der Bestatter übernehmen).
Danke, @Clödi ! An diese Variante habe ich noch gar nicht gedacht. Das ist unangenehm! Aber verständlich. Ich habe mal gehört, dass Versicherungen so enge Grenzen setzen, um nicht zahlen zu müssen...
Ich habe die Unfallversicherung meines Vaters erst recht spät kontaktiert, weil ich erst nach einer gewissen Zeit die Unterlagen darüber gefunden habe. Die haben dann etliche Fragen gestellt und dann wurde auch die Summe direkt überwiesen. Das mit der 48 Stunden-Frist ist ja völlig unrealistisch, man hat erstens was ganz anderes zu tun, als sich um sowas zu kümmern und man weiß ja auch nicht immer, wer eine Versicherung hat und wer nicht. Ich glaube, wenn so ein Passus drinstehen würde, würde ich den Vertrag ganz sicher nicht unterschreiben.
Maggy, es gibt so Hefte, in denen alles mögliche vorgedruckt ist. Wenn das alles ausgefüllt wird, haben die Hinterbliebenen keine Arbeit irgendwas zu suchen. Da ist aber auch an alles gedacht.
@tilia Natürlich prüfen die Versicherungen sehr genau und ich finde das auch richtig. Versicherungsbetrug ist ein Milliardengeschäft und alle Versicherten zahlen den Schaden über ihre Beiträge mit.